GRAVEDIGGAZ
Raps rechtschaffene Rentenreform
07.09.1997, 15:32, Text: Autor unbekannt
Verbindend zwischen dem ersten und zweiten Album steht die DIGGAZ-\"Cocoon-Philosophie\". Dazu Metaphern-König POETIC: \"In der ersten Phase spiegelte unser Debüt 'Six Feet Deep' düstere Gefühle wider: Kummer, Wut, Frustration und Zurückweisung. Der Cocoon war dunkel, darin aber bestand immerwährende Bewegung, etwas Wachsendes und Lebendiges. Mit dem zweiten Stadium brechen wir nun unerwartet, mit einem lauten Knall, durch diesen Cocoon: Hier kommt der schwarze Schmetterling! Bereit, um von den Massen bewundert zu werden. Das neue Album zeigt, was aus dir werden kann - den Fortschritt.\"
Die Bezeichnung \"Horrorcore\" enttarnt er als ein von den Medien produziertes Image: \"Wir brauchen keine Rechtfertigung für das, was wir sind.
Die Frage nach soziokulturellen oder politischen Aussagen in ihren Lyrics beantwortet der sonst auffällig stille (siehe sein Alter ego DA GATEKEEPER) MC FRUKWAN: \"Wir beschäftigen uns mit der Natur und sind als natürliche Menschen auch politisch. Wir verständigen uns aus einer bestimmten Kultur heraus. Daß uns ein bestimmter Teil der Gesellschaft nicht versteht, basiert auf verschiedenen Normen: unsere Natur ist die Rechtschaffenheit und das Streben nach Perfektion!\" HipHop-historisch betrachtet, legte das GRAVEDIGGAZ-Debüt den Grundstein für die heute explodierende WU-TANG-Entwicklung. Man verfügt über einen ähnlichen \"mind-state\" und starke Familienbande.
Ihre Einschätzung zum Rap-Bizness anno '97 zeugt von Selbstbewußtsein: \"Das unausgeglichene Rap-Biz ruft nach uns, und wir sind zu seiner Rettung gekommen [lacht]. Diejenigen, die etwas aufbauen wollen, werden zahlenmäßig von denen übertroffen, die lediglich etwas wegnehmen wollen. Wir sind gekommen, dieses Ungleichgewicht zu attackieren, die Augen jener zu öffnen, die auf der negativen Seite dieser Kräfte stehen.\" POETIC regt gar eine Künstler-Koalition zur Bekämpfung der fehlenden sozialen Absicherung an: \"Für uns gibt es keine Rente, und darum kümmert sich keiner. Es gibt Rapper, leider viel zu wenige, die sich für eine Änderung stark machen. Die 'Big Willys' aber, die Jungs, die wirklich das große Geld machen, haben lediglich ein Anliegen: noch mehr Geld zu machen, um nebenbei zu erwähnen, wie phatt sie sind!\"
Die klaffende Diskrepanz zwischen Kreativität und Kohlemachen ist nicht neu: \"Schauen Gruppen wie THE STYLISTICS, die DRAMATICS oder auch die DELFONICS heute zurück, sagen sie: 'Wir wurden damals gelinkt!' Als durch das Sampling einige dieser Heroen vergangener Tage zurück auf den Plan gerufen wurden, war ihre Einstellung: 'Wir wurden damals gelinkt, nun holen wir uns, was uns zusteht!'\" Zwar spricht er JAMES BROWN dessen legendären Status nicht ab, \"aber er hat die Rapper wirklich abgefuckt und seine besten Zeiten längst hinter sich.\" Zum Verhältnis Urheber/Sample-Nutzer: \"Unsere Mission war es, in deren Crates zu diggen, einen winzigen Teil herauszulösen und diesen zu neuem Leben zu erwecken. Diese Rekreation sollte ein Tribut an den Meister selbst sein. Verdammt, wenn irgendwelche Menschen mich mal später samplen, dann ist das verdammt fett!\"
Und wie stellt sich GRAVEDIGGAZ-Gründer PRINCE PAUL die Zukunft des Rap, so in etwa zehn Jahren, vor? \"Ich sehe PRINCE PAUL [lange Pause und breites Grinsen]. Nein, ich sehe mich und meinen Sohn gemeinsam Platten machen [lautes Lachen].\"
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