FLUKE

Background-Task

07.09.1997, 10:16, Text: Autor unbekannt

Als ginge der \"Summer of Love\" '88 nie zu Ende: mit wabernden Hardtrance-Sequenzen, Klang-Flächen aus Frauen-Gestöhne und manischen Lyrik-Kaskaden über ravigem Acid-Geblubber beamen sich die nicht mehr ganz so jungen Herren von FLUKE direkt aus der Dance-Oldskool in die Gegenwart. Hm, repetitive Tanzmusik seit neun Jahren, vier komplette Alben, ein gefeierter BJÖRK-Remix, Vorband von BOWIE mit PRODIGY, Teilnahme am \"Wipeout 2097\"-Soundtrack - und in der CHEMICAL-Hype-Hysterie trotzdem nicht an erster Front? FLUKEs Beat-Mechaniker Mike Tournier gibt sich leicht genervt ob des ewigen Status' als Background-Task: \"Jaja, jeder wundert sich und sagt: 'Oh, so lange seid ihr schon dabei?'\" - \"Wir haben uns eben noch nie in eine Reihe mit den CHEMICAL BROTHERS und den ganzen anderen gestellt und im 'Heavenly Social' abgehangen\", begründet Vocal-Mann Jon Fugler, ein auf irgendeiner Hektik-Droge hängengebliebener IGGY POP-Lookalike, den Unbekanntheitsgrad: \"Diese Art von Sound und Szene bewegt sich inzwischen eh nicht mehr.\"
Mit den angeblich Unbeweglichen verbindet FLUKE allerdings die Konstellation als Tanzmusik-\"Band\", mit Jons flüsternden, raunenden, gurrenden Wort-Sequenzen als herausstechendem Merkmal: richtige Vocals, auf deren Sinngehalt ihr Erzeuger auch noch pocht.

\"Die Stimme ist schließlich das vielseitigste Instrument, und mit Wörtern kann man außerdem herrlich Menschen auf der Tanzfläche manipulieren.\" Dem entgegen steht allerdings FLUKEs strikte Abgrenzung gegen jegliche Grenzöffnungen von Computer-Klängen: \"Wir machen elektronische Musik, und die produzieren wir auch live nur elektronisch\", sagt Mike, \"da sind wir echte Puristen. Schließlich klingen bestimmte Sounds gerade besser, eben weil sie künstlich sind.\"
Und während FLUKEs Musik den Hörer - ebenfalls ganz die alte Elektronik-Schule - an schwereloses Schweben im freien Raum oder in einem Segelflugzeug denken läßt, haben die Briten selbst da ganz andere Vorstellungen: \"Unsere Musik ist Bewegung\", sagt Jon, \"am besten, du hörst sie mit 200 Sachen auf der Autobahn, während hinter dir gerade deine fette Stereoanlage durchknallt.\"



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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