LUNA
You Ain't No Cary Grant
24.08.1997, 21:01, Text: Autor unbekannt
Einer der Gründe für die derzeitige Hochstimmung dürfte auch der soeben vollzogene Labelwechsel vom Mediengiganten \"Warner\" zum britischen Indie-Riesen \"Beggar's Banquet\" sein: \"Der Unterschied macht sich wirklich bemerkbar, zumal wir nun erstmals in der Lage sind, unser neues Album auch in Europa entsprechend zu promoten. Wir haben bei 'Warner' eine Menge netter Leute kennengelernt, aber sie haben absolut keinen Schimmer, was sie mit uns anfangen sollen.\" Erfahrungsgemäß bleibt es in Zeiten des Umbruchs nicht bei einer Veränderung, und so entschloß sich Drummer Stanley Demeski, Ex-FEELIES und Mann der ersten Stunde, den Hocker für Lee Wall zu räumen: \"Er hatte keine Lust mehr, auf Tour zu gehen, im Gegensatz zum Rest - besonders in Europa, wo wir bislang nur im Vorprogramm von EDWYN COLLINS und THE VELVET UNDERGROUND aufgetreten sind.\"
Das soll sich ändern, spätestens im August, wenn LUNAs neuester Geniestreich in den Läden stehen und der Vierer nach jahrelanger Abstinenz auch wieder deutsche Bühnen entern wird.
Ein weiteres zentrales Stück dürfte der Opener \"IHOP\" sein, eine Ode an das International House Of Pancakes, gleichzeitig Warehams Abrechnung mit Yuppietum und Snobismus: \"Yuppies? Eine Zeitlang waren sie wirklich 'all over the place', und man hatte das Gefühl, sie würden Manhattan komplett überrennen. Ich nehme an, es ist ihnen gelungen - sie haben gewonnen, der Krieg ist vorbei\", erklärt der Ex-GALAXIE 500-Leader mit exakt jenem Tonfall, der auch \"IHOPs\" augenzwinkerndes Statement \"You Ain't No Cary Grant\" anführt, because \"There's Nobody Like Cary, Is There?\"
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Real New Wave Party
---HIGHHOLYDISCOMASS comes to town---
Dass Punk und Disco weit mehr verbindet, als nur der Zeitpunkt ihres Entstehens, steht außer Frage. Wem Punk mehr bedeutet als tote Hose und für wen Disco alles andere als ein Schimpfwort ist, der weiß um die Schnittmenge dieser beiden Musikstile, die gleichzeitig beide auch Lebensgefühl waren und sind. Wunderbar beschrieben hat das gerade der englische „NME“ in einer Rezension zu Gossips neuem Album „Music for Men“. “Teenage Jesus and the Jerks crashing Studio 54“, so der Rezensent, vor dessen geistigem Auge beim Genuss von „Music for Men“ die genialen New Yorker No Wave-Dilettanten die wohl bekannteste Disco der Welt aufmischen.
Und auch Gossips dralle Gallionsfigur Beth Ditto selbst, eine Punk-Ikone des 21. Jahrhunderts, bringt es auf den Punkt sprich auf die Tanzfläche, wenn sie „For Keeps“ so erklärt: „I wanted it to be the ‚Don’t You Want Me’ of this record“. „Don’t You Want Me“ war bekanntlich der größte Dancefloor-Filler der Electro-Pioniere Human League.
Auch Arte erinnert sich gerade an die Zeit, als „Don’t You Want Me’ aus jeden Punkschuppen schallte und zu Nummer 25 der meistverkauften Singles aller Zeiten im UK wurde. So propagiert der TV-Sender den „Summer of the 80s“ und unternimmt eine Zeitreise in das Jahrzehnt, das uns Joy Division und New Order bescherte, Style Council und Prince, Duran Duran und Chic.
Grund genug für „HighHolyDiscoMass“. „HighHolyDiscoMass“ (übrigens ein Songtitel der ebenso wie Human League aus Sheffield stammenden Industrial-Avantgardisten Clock DVA) bittet nun mit Bands wie Cabaret Voltaire, Heaven 17, Shriekback, 400 Blows oder Gang of Four (just to name a few) einerseits die Creme de la Creme der 80er Jahre und der damaligen Post-Punk-Ära zum Tanz und schlägt andererseits mit neuen Helden wie Junior Boys, MGMT, Hercules and Love Affair oder White Lies (again just to name a few) die Brücke auf den Tanzboden des dritten Jahrtausends. Da bleibt dann mit David Bowie nur noch eins zu sagen: „Let’s dance!“





