FINLEY QUAYE

Großmaul zwischen den Welten

21.08.1997, 22:57, Text: Autor unbekannt

Abgesehen davon, daß die Frage eine sehr reduzierte Idee von Popstartum beinhaltet - Kleiner Exkurs: Harald Schmidt ist kein Popstar, Hermes Phettberg ist einer, Andreas Möller wird nie ein Popstar sein, Günther Netzer personifizierte Popstartum, und selbst Kimsey ist im Gegensatz zu Mola Adebisi oder Stefan Raab ein Popsternchen -, konnte Popstar Krebitz natürlich nicht wissen, daß genau der gewünschte Herr QUAYE einen Tag zuvor während eines Interviews versucht hatte, ein bißchen Popstar zu spielen: \"Praktizieren, was man denkt, was man gelernt hat, praktizieren, was du selbst predigst. Wenn du nicht weißt, was du willst, wirst du es auch nicht erreichen.\" Mit solchen und ähnlichen Weisheiten versuchte der aus Edinburgh stammende 23jährige Onkel von TRICKY, sich mit einer Aura zu umgeben.

Einer Aura, die \"Tai-Chi und Buddhismus\" beinhaltet, die auf \"Verständnis und Aufrichtigkeit\", auf \"Einsicht und Echtheit\", auf der \"Unterscheidung zwischen spiritueller und unspiritueller Musik\" basiert. Und die komprimiert während eines dreißigminütigen Interviews lächerlich wirkte, zuweilen etwas nervte, aber stets die Kurve zum Sympathischen fand.
Analog zur Musik auf dem Debütalbum. Damit wir uns hier richtig verstehen: \"Sunday Shining\" ist sicherlich ein Hit! Inspiriert, eingängig und Pop im schönsten Sinne des Wortes. Doch wenn der Künstler versucht, großmaulig auf eine konstruierte Metaebene abzuheben, empfiehlt es sich, \"Your Love Gets Sweeter\" oder \"Falling\" zu hören. Zwei seichte Ergüsse, die kein Klischee klebriger, doofer Popmusik auslassen. Potential für die Zukunft seines Popstardaseins ist die Stimme QUAYEs. Er singt, als habe er es in einem Knabenchor gelernt. Immer schön den Mund aufreißen. Sympathisches Großmaul während des Singens, Großmaul zwischen Konstrukt und Esoterik während des Interviews. Aber wohl alles nur gespielt. Denn gefragt, warum seine Songs eher altmodisch klängen, bringt er mit einem wissenden Lächeln den Begriff der Tradition ins Spiel. Weiterhin gefragt, welches der beste Ort sei, seine Musik zu hören, antwortet QUAYE mit gewinnendem Lächeln und ohne Hang zu philosophischen Lebensbetrachtungen, daß das wohl der Strand sei. Somit werden seine Antworten erträglich und die Platte zu einer den Sommer bereichernden.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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