ANI DIFRANCO

I've got you, Babe

19.08.1997, 14:18, Text: Autor unbekannt

! Das war meine urprüngliche Idee: Utah einem neuen Publikum bekannt zu machen. Wir kennen uns schon lange, haben die gleiche Agentur. Wir haben uns sofort gemocht und realisierten, daß wir ähnliche Sachen machen: Stories erzählen, herumreisen, mit Leuten reden, unsere Arbeit mit unserer Politik durchsetzen. Es waren weniger seine Songs als seine Stories, die mich faszinierten. Ich suchte mir die schönsten heraus und improvisierte dazu. Das Heraussuchen und Schneiden dauerte am längsten, das Aufnehmen der Musik passierte dann fast von alleine. Was mich am meisten interessierte, war der Rhythmus unserer Sprache. Das ist ein großer Teil meiner Arbeit - ich mache ja auch Gedichte, die sehr rhythmisch orientiert sind.


? Warum ist kein Gesang auf dem Album? ! Für gewöhnlich plane ich nicht, was ich tue. Ich ließ es einfach passieren. Irgendwann merkte ich, daß Utah der Vokalist auf dem Album war. Und seine Stories wollte ich nicht in eigene Worte fassen. Ich habe meine eigenen Stories. Wir beide sehen unsere politische Arbeit darin, unsere eigenen Stories zu erzählen. Es machte fast mehr Spaß, diese Stücke aufzunehmen als meine eigenen, weil ich zu denen immer so eine quälerische Beziehung habe.
? Du verwendest ziemlich oft das Wort \"politisch\" in Verbindung mit deiner Musik. Was ist ihre Funktion? Kann sie etwas verändern?
! Musik kann zwar nicht unmittelbar die Welt verändern, aber etwas bewirken. Kulturelle Kräfte beeinflussen soziale und politische Kräfte. Wenn Leute beginnen, bestimmte Sachen immer wieder in der Musik zu sagen, werden sie sozial akzeptiert, später politisch - und vielleicht sogar legal. Es gibt ohne Zweifel einen Wandel im sozialen Bewußtsein. Konkretere Sachen passieren halt nicht - na ja, vielleicht mittelbar und später.
Neben dem theoretischen Überbau gibt's bei ANI auch einen greifbaren Fun-Faktor, der sich in der rhythmischen Qualität ihres Tuns offenbart. Deutlich zeigt sich dies beispielsweise auf dem mit einem repräsentativen Querschnitt ihrer Arbeit versehenen aktuellen Live-Doppelalbum \"Living In Clips\".
! Ich halte nichts davon, sanfte akustische Weisen zu trällern. Das hängt mit der Art zusammen, wie ich Gitarre spiele [mit künstlichen Fingerspitzen]. Deshalb tue ich mich auch mit elektrischen Gitarren so schwer. Egal. Wenn ich live spiele, plane ich auch nicht, was ich tue. Es gibt so viele verschiedene Stimmungen, Orte, Umstände, Szenen - nie ist es dasselbe. Deswegen baute ich das Live Album auf aus lauter kleinen Stücken, wie ein Mosaik. Ich denke, es zeigt ganz gut, wozu wir alles fähig sind.
? Z. B., mit einem Orchester zu spielen. ! Das war bei der Einweihung einer Sporthalle in meiner Heimatstadt Buffalo. Man bat mich, das zu machen. Musikalisch fand ich es zwar nicht durchweg gelungen, aber es war schon toll, mit einem ganzen Orchester zu spielen.
Also nur eine Episode, ansonsten gibt's ANI im kleinen Trio-Setting. \"Clips\" bietet einen guten Einstieg in ihre Welt, und doch kann man das Phänomen ANI DiFRANCO nicht wirklich greifen, bevor man sie nicht live erlebt hat.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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