TEENAGE FANCLUB
Blasse Freunde
15.08.1997, 15:08, Text: Autor unbekannt
Wir befinden uns im Pressebereich des Essential-Festivals zu Brighton, und wenn nicht ein aufdringlicher Japaner jegliche asiatische Freundlichkeit permanent zugunsten eines ekligen, auf meine Gesprächspartner fokussierten Popstarkults vergäße, wäre die Welt noch in Ordnung. Hier, wo sogar der dritte, dicke, Gallagher-Bruder wie ein Popstar hofiert wird, wo HELMET-Gitarristen von schon wieder jegliche Zurückhaltung aufgebenden Asiatinnen bedrängt werden und ICE-T als einziger wirklicher Star nur Sekunden nach Betreten der Presse-Area dem absurden Treiben die Krone aufsetzt, fühlen sich TEENAGE FANCLUB in der Rolle des Beobachters - und nur in dieser - pudelwohl.
Ebenso unspektakulär wie ihr Verhalten während dieses Titelseiten-Overkills war und ist die Musik der Band aus Glasgow. Warum drüber reden, wenn es auch anders geht: \"Oh, du kommst aus Dortmund? Ihr habt aber in den beiden Spielen gegen Manchester sehr viel Glück gehabt. Nächstes Jahr wird das hoffentlich anders.\" - \"Nächstes Jahr spielt Manchester ohne Eric Cantona.\" - \"Cantona ist sicher ein toller Spieler, aber Manchester hat auch noch David Beckham. Ein junger Spieler, der nächstes Jahr noch besser sein wird.\" (Kurze Unterbrechung durch den aufdringlichen Japaner, der die Band mittels seiner nun endlich funktionierenden Kamera aus der Beobachterrolle herauszuzerren und dem perversen Treiben einzuverleiben droht.) - \"In einer deutschen Zeitung war neulich ein Gemälde zu sehen, auf dem Cantona sich als Jesus hatte zeichnen lassen.\" - \"Na ja, er ist schon ein wenig verrückt, pendelt zwischen Genie und Wahnsinn. Genauso wie Gazza. Aber wenn du aus Dortmund kommst, kennst du auch Paul Lambert.\" Undsoweiterundsofort.
Über Fußball ließe sich mit jeder britischen Band unterhalten, klar, TEENAGE FANCLUB aber, deren Antworten bezüglich ihrer Musik eher einsilbig und verschlossen, eben lediglich höflich ausfallen, öffnen sich erst beim Thema Fußball. Stets zu unspektakulär für die Titelseiten der Wochenbibeln der englischen Popmusik, oft verlegen um dumme, größenwahnsinnige Sprüche und im Kontext der Popmusikschaffenden in Großbritannien eher sich und ihre Musik nicht zu wichtig nehmende Beobachter, hat man eine anerkannte Nische - basierend auf zumindest innerhalb meiner Biographie eine nette Rolle spielenden Popperlen - gefunden und hält diese besetzt. Der Vergleich mit OASIS und den BEATLES während der Ankündigung ihres Auftritts war ihnen sicher peinlich. Dabei brauchen sie ihn nicht zu scheuen.
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