SLEATER KINNEY
Don't Call Me Darling
15.08.1997, 13:28, Text: Autor unbekannt
Von der feministischen Linken bis zu den üblichen Rock-Funktionären ist man sich einig: 'Dig Me Out', das dritte Album der Band aus dom Nordwesten der USA, ist ein Meisterwerk. Eine Platte, die so selbstverständlich mit der eigenen Rolle als 'Frauen im Rock' umgeht, daß sie ohne Probleme zur Grundlage der Selbstbehauptung einer jungen weiblichen Szene werden kann. Der richtige Hype ging bereits Anfang des Jahres ab, als alle wichtigen US-Mags auf einmal in ausführlichen Features über die Band, ihre kraftvollen, aber trotzdem sparsamen Rocksongs oder ihre Rolle in der Feministen- und Lesbenszene zwischen Portland und Olympia berichteten. Nachdem Rolling Stone, Spin und Village Voice die Band abfeierten, rückten selbst die New York Times und CNN nach.
Doch die drei tun alles, damit gerade das nicht geschieht, die Majors keine Gelegenheit bekommen, ihren Fuß in die bisher gut funktionierenden Untergrund-Netzwerke zu setzen. Die ersten beiden Alben, 'Sleater Kinney' und 'Call The Doctor', zwei derbe Punk-Scheiben, erschienen auf Donna Dreschs (TEAM DRESCH) Label 'Chainsaw' und waren in Europa lediglich über den Importweg erhältlich. 'Dig Me Out' kommt nun über 'Kill Rockstars' raus und wird von 'Matador' vertrieben, was zumindest eine flächendeckende Verbreitung verspricht.
Wichtig ist für Carrie Brownstein, die sich mit der Lead-Vokalistin Corin Tucker das Gitarrespielen und Singen teilt, in diesem Zusammenhang klarzustellen, daß SLEATER-KINNEY nicht vorhaben, deshalb Kompromisse einzugehen: 'Wir haben miterlebt, wie man aus dem Riot-Grrrl-Ding eine nette Schublade gemacht hat, um Bands einzusortieren und damit unschädlich zu machen. Wir wissen auch, daß man das gleiche mit uns versuchen wird, darum ist es uns wichtig, weiterhin für die Leute sprechen, die uns bisher begleitet haben.'
Daß der neuen Platte die Aggressivität von 'Call The Doctor', mit der Unterdrückungsverhältnisse aller Art angegriffen wurden, abgeht, statt dessen eher noch der Weg hin zu poppigeren Strukturen und privaten Texten beschritten wird, gehört zur Strategie, sich nicht festlegen zu lassen: 'Nachdem auf unseren ersten Platten häufig von der Opferrolle die Rede war, geht es auf 'Dig Me Out' mehr um die Möglichkeit, die eigenen Gefühle zu leben. In den USA erwartet man besonders von Frauen, daß sie ihre Leidenschaft unterdrücken, darum sind Texte, in denen es um Liebe und Sexualität aus der Sicht von Frauen geht, auch politisch relevant.'
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