SCHWANENSEE

Hamburg einmal anders

14.08.1997, 19:15, Text: Autor unbekannt

Daß mich ihr selbstbetiteltes Debütalbum ziemlich irritiert hat, nimmt Peter Ewaldt wohlwollend zur Kenntnis. »Gut so«, sagt er und meint damit wohl, daß Innovation zunächst mal für Irritation sorgen müsse. Und innovativ möchten SCHWANENSEE schließlich sein. Hierfür haben Peter, Chris Zenk (beide ehedem bei der HC-Metal-Band EROSION beschäftigt), Raj Sen Gupta (GIRLS UNDER GLASS) und Marcel Zürcher (ABWÄRTS) »einfach die Komponenten 'harte Musik' und 'poppige Indie-Sachen' verquickt, um einen eigenen Brei daraus zu machen.« Einfach? Werden einem bei den beiden ersten Songs noch die fragmentarisch anmutenden Textinhalte in bester Metal-Manier aufs Ohr gehauen, so geht's danach unvermittelt ins Indie-Rock-Lager über, und Sänger Chris klingt plötzlich fast wie ein Vertreter der sogenannten Hamburger Schule.

Was allerdings rasch und brüsk von sich gewiesen wird. Mit letzterer habe man nun wirklich nichts am Hut, aber »es war durchaus gewollt, ein paar melodiöse und romantische Facetten miteinfließen zu lassen. Und daß Chris seine Stärken als Sänger zeigen kann und nicht nur brüllt.« Da sie alle schon derart lange dabei wären, sei es an der Zeit gewesen, mal andere Wege zu gehen.
Keine Frage, die gehen sie tatsächlich. Wobei sie es dem unbedarften Hörer nicht gerade leicht machen, ihnen zu folgen. Ihre überraschend eingesetzte Dynamik und nicht zuletzt der verwirrende Umgang mit dem deutschen Wort machten zumindest mich erst mal ratlos. Wo blieb die klare Aussage, die man von Deutschsprachigem im allgemeinen erwartet? »Der Ansatz bei meinen Texten ist eben der, frei assoziativ zu sein. Ich höre die fertige Musik und lasse in diesem Moment mein Unterbewußtsein einfach fließen. Außerdem ist es ein weiteres Essential, daß die Texte danach nicht mehr korrigiert werden - selbst wenn es vermeintlicher Blödsinn ist.« Und: »Kunst ist meiner Meinung nach sowieso eine Sache, die einfach passiert und die man hinterher nur schlecht erklären kann.« Wohl wahr. Und so läßt sich auch SCHWANENSEEs Musik nur schlecht erklären. Sie sollte gehört werden.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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