BRENDAN BENSON

Songs for Emma

13.08.1997, 19:17, Text: Autor unbekannt

Unglaublich. Da legt ein junger, beneidenswert unfertiger Songwriter aus San Francisco mit \"One Mississippi\" ein Debütalbum vor, das trotz fehlender musikalischer Erfahrung von erstaunlicher Reife ist. Mit 14 verkroch sich BRENDAN in seinem Kämmerchen, um es Jahre später als fertiger Musikant zu verlassen. Der Deal folgte noch vor der Live-Präsenz - das erklärt den gewissen Bastelcharakter, z. B. diesen Ping-Pong-Stereo-Effekt. \"Ich liebe das. Ich habe alles auf meinem 4-Track mit Kopfhörern aufgenommen. Das hat also mit Naivität zu tun. So klingt es einfach direkter.\"
Seine Songs sind romantische, versponnene Affären mit einer Vorliebe für Cajun-Motive (er wuchs in New Orleans auf).

Die Texte beschäftigen sich - mal abgesehen von seiner Freundin Emma, die selbst einen Hidden Track beisteuerte - mit den kleinen Dingen des Lebens. Daß BRENDAN sich dabei als genauer Beobachter mit dem Sinn fürs Wesentliche erweist, kommt eher unfreiwillig zustande: \"Es fällt mir schwer, über wirklich Wichtiges zu schreiben. Das meiste ist autobiographisch, mit kleinen 'kreativen' Ergänzungen. Man muß kreativ sein, sonst wird's langweilig. Schließlich kann ich nicht wieder 20 Jahre leben, um meine nächste Platte zu schreiben. - Weil ich einen Plattendeal habe, fühle ich einen gewissen Druck, neue Songs schreiben zu müssen. Das geht aber nicht. Ich muß versuchen, ein normales Leben zu führen. Das Leben auf Tour ist schon seltsam. Es gibt nur wenige Augenblicke, wo man sich wirklich real fühlt. Und das muß ich mir erhalten, damit ich weiter Songs schreiben kann.\"
Für einen Menschen ohne jegliche Live-Erfahrung besitzt BRENDAN mitsamt Band eine erstaunliche Bühnenpräsenz. Ein natural born performer mit direktem Draht zum Publikum. \"Ich mußte lernen, wie man live spielt. Das klappte nicht auf Anhieb. Ich probierte mit verschiedenen Musikern, bis ich meine jetzige Band fand. Mit der bin ich wirklich zufrieden. Live rocken wir ganz schön los.\" Es scheint, daß BRENDAN BENSON ziemlich genau weiß, wo er steht, aber nicht so genau, wohin er will. Das macht ihn sympathisch und verwundbar zugleich. Ist das nicht das Material für einen tragischen Helden? Lassen wir uns überraschen.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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