ARMAGEDDON DILDOS

Keine Harfe!

12.08.1997, 12:02, Text: Autor unbekannt

»Klar, nach so einem Anruf bist du natürlich ganz schön gefrustet. Obwohl das eher kurzzeitig war, denn an unserem Produkt selbst haben wir eigentlich nie gezweifelt«, stimmt Dirk Krause zu. Daß die erzwungene Neuorientierung trotzdem einige Zeit in Anspruch nahm, ist einsichtig. »Eine Plattenfirma aufzulösen ist eine Sache, die Auflösung bestehender Verträge eine andere. Insofern hat es ein ganze Weile gedauert, bis überhaupt klar war, ob wir das ganze Material in Zukunft weiter benutzen dürfen. Aber in der Beziehung waren die Leute von der Metronome überaus kulant. Schließlich waren sie ja auch eher in der Betroffenensituation und haben zugesehen, daß für uns noch das Beste rauszuholen ist.«
Trotzdem brauchte es einige Monate, bis das Major-Debüt der DILDOS letztendlich bei »RCA« erscheinen konnte.

Und wenn's denn in der Musikwelt einigermaßen gerecht zugeht, dürften Dirk und sein Partner Uwe Kanka für den erlebten Schrecken durch keinen allzu geringen Erfolg entschädigt werden. Denn »Speed« beeindruckt. Jeweils zur Hälfte von Bob Kraushaar (PET SHOP BOYS, DAVID BOWIE) und Andy Gill (GANG OF FOUR, MICHAEL HUTCHENCE) in London produziert - »Als unser A&R-Manager damals Bob Kraushaar vorschlug, war ich natürlich begeistert. Wir haben uns mit ihm getroffen, waren uns sympathisch, und er hatte auch bereits bestimmte Vorstellungen, wie man unsere Stücke verbessern könnte. Andy Gill hat er dann ins Spiel gebracht, da er meinte, daß er sich ihn für die Gitarrenparts sehr gut vorstellen könnte.« -, bewegt sich das Album in traumwandlerischer Sicherheit auf einer Schnittstelle zwischen Underground und Mainstream. Extreme Sounds treffen auf harte, mitunter fast angepunkte Gitarren treffen auf Dance-infizierte Rhythmen treffen auf elegant konstruierte Arrangements treffen auf moderate Melodien. Von einer gewissen Selbstlimitierung wollten sie wegkommen, meint Dirk, nicht mehr nur Härte um ihrer selbst willen oder weil man sie von ihnen erwarte, sondern dem jeweiligen Song genau das geben, was er brauche. Selbst wenn's denn eine Harfe wäre.
Daß diese allerdings nicht zum Einsatz kam, mag so manchen alten Fan beruhigen. Ebenso wie die Tatsache, daß sich die DILDOS trotz Major-Verhältnissen weitgehend treu geblieben sind. Und wenn die Videoauskopplung »Open Up Your Eyes« erst auf diversen Musikkanälen rotiert und man sich ab September live präsentiert, dann könnte ihnen das Kunststück gelingen, Underground- und Mainstream-Publikum gleichermaßen für sich zu gewinnen. Warten wir's ab ...



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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