GRANT McLENNAN

Einladung zur Popfete

09.08.1997, 16:53, Text: Autor unbekannt

\"Das Album ist in dauernder Vorwärtsbewegung. Mit jedem Stück verändert sich mein Bewußtsein und damit das des Hörers. Es handelt von der Hingabe zu den Gedanken. Ihnen wohnen Dinge wie Tod, Bewegung, Leben, Liebe oder Erfolg inne. Dinge, die uns beschäftigen, lebendig machen\", erklärt er bedeutungsschwanger. Als Kategorie für diese mind games hat sich McLENNAN erneut für Pop als Spielfeld entschieden. \"Popmusik ist eine Feier. Und wer geht nicht gern auf eine Party und unterhält sich dort gut?\" Wie im Falle seiner früheren Soloalben rührt er auch diesmal keinen Finger, um die Vergangenheit bei den GO-BETWEENS zu kaschieren. \"Für mich besteht kein Unterschied zwischen der Musik der Band und dem, was ich heute tue.

Ich schreibe meine Songs genauso wie früher. Wichtig dabei ist, daß ich nicht im Zorn zurückblicke.\" ROBERT FORSTER hat ihm attestiert, die besten Songs seit dem Bandsplit 1990 geschrieben zu haben.
Der Mann aus Brisbane sieht sich als Gegenpol zur kulturellen Tristesse. \"Ich vermisse die Ambition in der Kunst, Vorstellungen und Phantasien auszuleben. Filmen fehlt die Phantasie, Musik ist visionslos.\" Exemplarisch stellt er England an den Pranger, wo in den Achtzigern die Wohngemeinschaft mit ROBERT FORSTER zur Keimzelle von Brit-Pop wurde. Der Ehrenmann wird ungemütlich: \"Die jungen Bands legen kaum noch Wert auf ihre Texte. Ihre Musik ist sehr Seventies-orientiert. Eine revivalnde Phase, die mich deshalb nicht interessiert, weil ich sie erlebt habe. BLUR wollen wie PAVEMENT sein. Die Gallaghers spielen das plumpe Popstarspiel, indem sie ihr Leben an die Medien-Maschinerie verschachern. Ambitionierte Musik interessiert die nicht.\" Das Desinteresse resultiere aus der Unerfahrenheit der Bands, die im Handumdrehen einen gut dotierten Plattenvertrag erhielten und so zur Selbstüberschätzung neigten. \"Wenn er anfängt, stellt sich der Musiker nur selten in Frage. Erst wenn er an sich zu zweifeln beginnt, fängt ein Dialog an, der ihn künstlerisch wachsen läßt. Man muß sich ständig mit sich auseinandersetzen, um neue Ziele zu erreichen.\" Eine Kasteiung, der die Welt McLENNANs Song-Trademark aus Melancholie und Optimismus verdankt. Die Musik, die eine Träne ins Knopfloch und ein Schmunzeln in die Augenwinkel zaubert.



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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