Arj Snoek

Die Frucht der Loops

02.08.1997, 18:53, Text: Autor unbekannt

Albert Gabriel ist 17. Sein Album 'Fruit Of The Loop' klingt wie eine abgespeckte Version von DAFT PUNKs 'Homework'. Die sind ja auch nicht viel älter, und deshalb läßt sich hier leicht von einer Generationen-Musik reden. Von neuer Musik. Auch ARJ SNOEK aktiviert die Erinnerung an längst Bekanntes, läßt plakativ die Traditionslinie Funk-Disco-House-HipHop in Leuchtschriftlettern aufscheinen - mit der ungezwungenen Selbstverständlichkeit, über die man sich dieses Jahr eben auch schon mal bei DAFT PUNK freuen durfte. Die Selbstverständlichkeit im Umgang mit Geschichtlichem, das ist das Generationsspezifische. Sie ist Teil eines Lebensgefühls, das die Soziologen zwar noch nicht verstehen, dem sie als Phänomen aber schon das Etikett 'Kinder der Freiheit' (Ulrich Beck) verpaßt haben.

Schöner, vielsagender, nichtssagender Begriff.
Heute abend ist das Produkt der Freiheit schön UND konkret. Albert Gabriel spielt seine Lieblingsproduzenten DJ SNEAK, DJ PIERRE, BOO WILLIAMS. Er kombiniert deren Disco-Appeal mit originalen Disco-Stücken, die er freilich kräftig nach vorne pitcht. BARRY WHITE etwa. Ab und zu speist er eigene Tracks ein. Eine feine, runde Sache, zu der wir - der Laden ist voll - füßewippend dastehen und tanzen. Das Alte und das Neue verschmelzen zum Jetzt.
Vor seinem Set führen wir ein kurzes Gespräch. Albert Gabriel erzählt, daß seine Lieblingsmusik tatsächlich Discofunk aus den 70ern sei. Er erzählt vom Leben auf dem Land bei Köln. Wie langweilig es sei und wieviel Zeit man dafür zum Musikmachen habe. Wie sehr ihn seine Eltern, selbst Künstler, unterstützten. Auch deren Freunde: Künstler, Galeristen, DJs, WHIRLPOOL PRODUCTIONS, WORKSHOP ... Und er erzählt von HipHop, der prägenden Musikerfahrung der DAFT PUNK-/SNOEK-Generation. Wir kommen darauf wegen Basti und auch, weil Albert Gabriel als 'DJ CHESTNUT' auf 'Groove Attack' bereits eine (instrumentale) HipHop-EP veröffentlicht hat und eine weitere gerade in Arbeit ist. Ich frage ihn, ob House und HipHop in einem Konkurrenzverhältnis stünden. Eine dumme Frage, wo man doch an diesem Abend und auf 'Fruit Of The Loop' hören kann, wie für ihn eins zum anderen gehört und daß das Sampling im HipHop die Wahrnehmung von Gegensätzen zugunsten des Denkens von flexiblen Einheiten aufgelöst hat. Er antwortet trotzdem freundlich. 'Auf jeden Fall bin ich mehr HipHop- als House- oder Disco-Mensch oder so. HipHop ist für mich ein Lebensgefühl. House irgendwie auch, aber kein ständiges. Ich habe auch nur ab und zu Lust, ein House-Stück zu machen. Ein HipHop-Stück könnte ich eigentlich immer machen. So ist das.'



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aus Intro #47 (September 1997)
 
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