Stalin

hirnspermatogenese rules!

24.06.1997, 16:20, Text: Autor unbekannt

Oben öffnet doch tatsächlich ein freundlich (!) lächelnder Mann die Wohnungstür: „Willkommen in STALINs Reich.“ Wir schauen uns um: Nicht einmal eine Spur von Blut und Körperresten ist zu finden - auch nicht in der Küche. Selbst ein prüfender Blick in das Eisfach offenbart nur einen kleinen Vorrat an völlig üblichen Lebensmittel. Lediglich ein Poster einer Russ-Meyer-Hauptdarstellerin in Lebensgröße hängt - mit dicken Titten bepackt - an der Wand (doch so etwas hatte auch schon unser Layouter in seinem Büro). Maßlose Verwunderung macht sich breit, und unsere Sensationslüsternheit schrumpft gleichsam wie ein Testikel nach zu heftigem Flüssigkeitsverlust. STALIN ist dann im Gespräch sehr darauf bedacht, die seinem „Weissen Müll“ bereits zu Dutzenden entfleuchten Mißverständnisse auszuräumen: „War Stalin etwa ein Faschist?“ fragt er uns, auf eine ihm unterstellte Eigenschaft anspielend.

Wir glotzen uns groß an und wissen auch nicht so genau. „Der Name ‘Stalin’ soll für etwas stehen, das nicht genau zu definieren ist, dem aber etwas furchtbar Böses anhaftet. Wie es mir meine Mama immer weismachen wollte.“ Dennoch wird es immer wieder Leute geben, für die selbst ein purer Anarchist wie STALIN (der Musiker) immer ein Bildchen des Führers bei sich trägt. Und auch mit „Härte“ à la RAMMSTEIN und RICHTHOFEN hat er HERZlich wenig am Hut, denn seine Härte ist alles andere als gefühlskalt: „Ich merke wenigstens noch etwas, und meine Aussagen sind eindeutig zweideutig. Nur wird das leider nicht jedem deutlich.“
In der Tat ist STALIN ein grundehrlicher Überzeugungstäter: „Nudistenmassaker“ stellt die überfällige Abrechnung mit einem hierzulande als „Freikörper-KULTUR“ titulierten, doch real von gar unansehnlichen und widerlichen Personen zelebrierten Brauchtum dar, in dessen Grauzone sich nicht wenige Kinderficker tummeln. „Leg’ Sie Um“ zielt kräftig auf Faschopack und selbsternannte Ordnungshüter jeglicher Couleur, die sich hinter hausgemachten Gesetzen und scheinheiliger Moral verschanzen. „Vielleicht wird STALIN verdaulicher, wenn du ihn dir als vertonten Comic mit Splattereinlagen vorstellst. Das Extreme besteht dann darin, einen kleinen, vielleicht etwas bösartigen Gedanken bis ins letzte Detail zu gestalten und hier und da etwas grell auszumalen.“
An einer entsprechenden Live-Umsetzung - GWAR im Hinterkopf - wird derzeit noch gebastelt. Ebenso wie an einem „richtigen“ Album („Weisser Müll“ war ja nur eine EP mit tollen Remixen), bei dem die musikalische Komponente dann auch etwas diffiziler geraten soll.
STALIN als Symphonie. Dann platzt der Sack garantiert.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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