Sukia
Elektro-Sukulenten
23.06.1997, 17:20, Text: Autor unbekannt
Greg ist Schauspieler, hauptberuflich quasi - wenn man denn bereit ist, auf eine 100%ig greifende Definition zu verzichten. Nach einer Rolle in einem Werbestreifen für einen Stuttgarter Hersteller mobiler Statussymbole durfte er auch schon neben Udo Kier glänzen, ein - aus seiner Sicht - eher zweifelhaftes Vergnügen. Nicht, daß Greg sich nicht selbst gerne in diversen Schrulligkeiten suhlen würde, aber leichenblasse Menschen, die, morgens um sieben im Pool treibend, mit Zigarettenspitze schwarze Zigarillos paffen, ängstigen ihn, sogar zutiefst - je deutscher diese Sorte Mensch, desto tiefer die Angst, wie er gestehen muß. Greg nennt das „Kinski-Paranoia“.
Greg hat noch eine dieser tiefgreifenden Ängste, die „Technical-Breakdown-Paranoia“, ein Phänomen, das ihn immer dann in seinen Klauen hat, wenn er mal wieder eine Bühne entern muß. Nein, keine Theaterbühne, eine Clubbühne, denn Greg ist, nebenberuflich quasi, Musiker. Als solcher bedient er mit seinen drei Kollegen/innen ein Sammelsurium dermaßen vorsintflutlicher elektronischer Klangerzeuger, daß er, wollte er dessen ständige Betriebsbereitschaft garantiert haben, einen Wartungstechniker mit auf die Bühne nehmen müßte. Nun verhält es sich allerdings keinesfalls so, daß SUKIA-Auftritte einer Museumsvorführung gleichen, ganz im Gegenteil: ihre Gigs transportieren die unbändige Energie von Punkrock-Shows, alle Regler werden bis zum Anschlag aufgerissen, und man übersteuert, was nur zu übersteuern ist. Die Songs des fantastischen Debüts der Kalifornier mutieren live entsprechend von gediegen tanzbaren, verspielten, mit duftigen Effekthäppchen garnierten Groovegetümchen zu monstermäßigen Zwerch- und Trommelfell-Sperrfeuern. Wenn einem die vier freundlichen Schöpfer dieser Analog-Synthie-Kakophonie im Interview dann auch noch begeistert ihr jeweiliges Lieblings-Disneyland-Acid-Erlebnis erzählen, summiert sich das zu einem herrlich anarchistischen, musikhistorischen Selbstbedienungsladen, der sich in keiner seiner Ausformungen selbst erklären muß, sondern aufs charmanteste Herz und Bauch anspricht. SUKIA sind neben ihrem Geistesverwandten MONEY MARK vielleicht die Zukunft des Hauses „Mo Wax“.
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