Dear Wolf

dickköpfig

22.06.1997, 21:58, Text: Autor unbekannt

Kann man mit dem Gründungsjahr 1988 noch als hoffnungsvolle Newcomerband gelten? Noch dazu, wenn man sich bereits fünf Jahre zuvor als NO SPORTS durchs Musikerleben schlug? Sicher doch. Immer eine Frage der Präsenz. »Früher waren wir bei ›Ja Records‹, einem winzigen Ein-Mann-Label in Hagen, dessen Besitzer hauptberuflich Lehrer ist. Klar also, daß nicht allzuviel Zeit und Möglichkeit für gute Promotion blieb«, erzählt Sänger Alex Clahsen. Nach der selbstproduzierten Single »Fly« (1988) folgten bis 1995 drei LPs, die erste sogar teilweise produziert von FM Einheit. Trotz ständigen Radiosupports und der Videoausstrahlung des Titels »Lost« vom ‘95er »Out Of Disneyland«-Album blieb den inzwischen zum Quintett angewachsenen Krefeldern aber der rechte Durchbruch verwehrt.

Kommt man da nicht ins Grübeln? »Klar, wenn man all die Jahre so viel Energie und Arbeit reinsteckt und an sich glaubt, dann ist es nicht schön, wenn das Ganze nicht richtig nach vorn gebracht werden kann.« Und gute Kritiken allein machen auch nicht glücklich. »Gerade nach der ›Out Of Disneyland‹, die ich sehr mag, war ich eine ganze Zeitlang frustriert und habe wirklich darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, den ganzen Kram hinzuschmeißen und etwas anderes zu versuchen. Aber wir sind halt ganz schöne Dickköpfe. Und außerdem ist es letztendlich ja auch der Glaube an das, was man macht, der einen weiterkämpfen läßt. Vielleicht eine Art Trotzreaktion.« Die 1996 in einem Vertrag mit dem größeren Label »High Gain« und im Mai dieses Jahres in »Laundry« mündete. Ein Album voll intelligent melodiöser Gitarrenmusik, das wesentlich poppiger klingt als seine »Rock«-Vorgänger und erstmals auch auf Elektronisches zurückgreift. »Eine natürliche Entwicklung«, versichert Alex. Kein Marktkalkül. Obgleich die erste Auskopplung »Fairytales« aufgrund der Ratschläge des Verlages radiokompatibel umarrangiert wurde, womit Alex selbst nicht ganz so glücklich ist. »Aber letztendlich wollten wir es ja so.« Und sollte »Fairytales« nicht den erwünschten Erfolg haben, »dann ist das auch nicht weiter schlimm, schließlich gibt es wesentlich stärkere Titel auf dem Album.« Keine Frage. Mit »Laundry« werden sie es schaffen.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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