Salad

salat mit beilage

17.06.1997, 19:30, Text: Autor unbekannt

Uns serviert Marijne erläutende Beilagen zum Dessert: „Paul [git] schrieb einen Song über diesen Eiscreme-Krieg in Schottland [eine höchst seltsame Story, bereits verwandt in Literatur und Film]. Zwar schaffte es der Song nicht bis auf die Platte - wir mußten aus so vielen auswählen -, da wir aber dringend noch einen Titel brauchten, meinte ich: ‘Was soll’s, es klingt halt gut.’“ Letzteres ist wichtig bei SALAD. Alles muß - im gegebenen Kontext - gut klingen, auch die z. T. verschrobenen Texte. „Nimm z. B. Pauls Song ‘Raindrops’, der von nichts Speziellem handelt. Wenn ich ihn singe, hat jedes Wort für mich eine bestimmte Bedeutung - aber ich wäre nicht in der Lage, dir diese zu erklären.

Wörter können allein durch ihren Klang Assoziationen auslösen. Sie sind ein Instrument für sich. Diesen Aspekt schätze ich sehr. Im allgemeinen halte ich die Texte auf diesem Album aber für greifbarer als zuvor. Da gibt’s eine ganze Menge Love-Songs, oder auch einen Song über den Weltraum. Allesamt sind sie zugänglicher geworden. Nicht absichtlich, aber wir wollen ja niemanden verprellen.“ So ist das bei SALAD. Es lohnt sich, nach dem Grund ihres Tuns zu fragen. Die scheinbar wirren und bedeutungslosen Titel und Texte haben immer irgendwo ihren Ursprung. Und der ist teilweise noch lustiger als die Songs selbst. Was hatte Paul mir z. B. beim letzten Mal von der Arbeitsweise JOHN LENNONs vorgeschwärmt: Alles, was sich nicht wehrt, kann zu einem Song umfunktioniert werden. Das Unterbewußtsein wird bewußt einbezogen. Nach dieser Manier geht auch das Songwriter-Dreigestirn von SALAD vor [jeder ist auf „Icecream“ paritätisch mit je vier Songs vertreten]. Es macht Spaß, sich zu überlegen, wo die Ursprünge der Songs liegen könnten: „Wolves Over Washington“ beispielsweise, gab es da nicht mal einen Film namens „Werwolf von Washington“? „Mag sein, dies ist jedoch eine ganz einfache Phantasie. Irgendwann wurde mir bewußt, daß ich noch nie in New York gewesen bin - was im Alter von 27 ganz schön lächerlich ist. Zu der Zeit war ich noch in dieser Phase, Sachen aus dem Unterbewußtsein zu verwerten, statt über das richtige Leben zu schreiben. Der Song handelt davon, mit ein paar freundlichen Wölfen von Washington nach New York zu fliegen - der Mond ist in Reichweite, und New York sieht so klein aus von oben. Ein richtig schönes Bild.“ Wie beiläufig sie den Verweis mit den freundlichen Wölfen einfließen läßt ... Bei SALAD steht das Absurde geradezu selbstverständlich neben dem Faktischen.
Und welche Bedeutung kommt dabei Humor zu? „Wir sind keine Komiker-Band, aber natürlich lachen wir auch mal gerne herzhaft. Ebenso verhält es sich mit unserer Musik. Manchmal biegen wir uns vor Lachen bei einem bestimmten Solo oder so.“ SALAD gehören zu den wenigen Bands, denen es gelingt, Witz in Ton umzusetzen - ohne dabei ins Klamottige umzukippen. Da dürfen auch mal berühmte Einflüsse zitiert werden, wie z. B. JOHN BARRY mit einer Reminiszenz an die Titelmusik von „Die 2“ - was Marijne freimütig einräumt. Ihr ist es nicht so wichtig, woher die Anregungen für die Musik stammen: „Die Hauptsache ist die Freude an der Arbeit. Wenn wir ins Studio gehen, sind wir total erschöpft vom Tag vorher, aber je länger wir an der Musik arbeiten und je mehr sich die Songs entwickeln, desto besser sind wir drauf. Am Abend tanzen wir dann alle durchs Studio.“
Diese Freude am Tun wirkt sich insofern aus, daß SALAD bereits am nächsten Album arbeiten. Zunächst wird es aber eine Tour geben, mit zusätzlicher Live-Musikerin, die den - zugegebenermaßen dünnen - Live-Sound der Band mit Soße anreichern wird. Da gibt’s dann die komplette Mahlzeit ...



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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