Merricks
von münchen fasziniert
17.06.1997, 11:28, Text: Autor unbekannt
? Wie kamt ihr auf Munich-Disco?
Bernd Hartwich: Ich habe bei meiner Arbeit als DJ immer mehr auf Discostücke zurückgegriffen und dabei festgestellt, daß die zum großen Teil aus München stammen.
? Was dich überrascht hat?
H: Nee, ich wußte das schon. Ich hatte mich nur nie damit auseinandergesetzt, nicht geglaubt, da etwas entdecken zu können. Zu den Siebzigern hatte ich lange so ein Gefühl, wie ich es jetzt zu den Achtzigern habe. Daß es noch nicht lange genug zurückliegt und man sich noch zu leicht daran erinnern kann. Je größer der Abstand wurde, um so größer wurde auch die Faszination. So ein bestimmtes Bild, das man im Kopf hat, geprägt durch Filme aus der Zeit, durch Musik oder auch durch so Bauwerke wie das auf dem Cover unserer neuen Platte abgebildete „Schwabylon“.
? Das war doch ein Einkaufszentrum.
H: Ich war noch zu jung, aber mit meinen Eltern bin ich oft daran vorbeigefahren, und dann wurde halt im Auto darüber gesprochen: „Das ist dieses Ding, das da hingestellt wurde und von der Bevölkerung nicht recht angenommen wird.“
? Weshalb es dann ruckzuck wieder abgerissen wurde. Woher habt ihr eigentlich die Fotografie?
H: Die ist von dem Architekten selbst. Im Münchener Stadtarchiv gibt es so was gar nicht.
? Erstaunt hat mich an „The Sound Of Munich“, daß im Gegensatz zu euren bisherigen Platten, auf denen Obskuritäten eher einfließen, mehr wie Samples eingearbeitet sind, hier ...
Salewski: Hier ist es viel konkreter.
? Derart konkret sogar, daß man es schon beinahe als Imitat verstehen könnte.
S: Echt? [Lacht.]
? Zumindest ist es sehr überzeugend Munich-Disco.
S: Das gefällt mir besser.
? Siehst du das nicht so?
S: Doch, zum Teil schon. Wobei für mich zu einer Disconummer noch so richtig lange Rhythmusteile dazugehören würden und weniger Pop-Arrangements.
? Hat es sich aus dem Discocharakter der neuen Stücke ergeben, diesmal ausschließlich eine Frau singen zu lassen?
H: Auf jeden Fall klingt Marion Dimbath ein bißchen wie eine französische Schauspielerin. So unangestrengt und in sich verloren. Das finde ich ganz toll.
? DONNA SUMMER und ihr Produzent Giorgio Moroder sind bis heute der Inbegriff von Disco. Insofern ist euer Album schon auch eine Hommage an das damalige München, oder? Seid ihr stolz auf dieses München?
H: Faszination paßt besser als Stolz.
? Die Neumünchenerin Heike Makatsch sagt ja, München sei eine unrealistische Stadt. Ist das so?
S: Eine unrealistische Stadt? Nee. Bis auf das, was wir machen, passieren hier keine rätselhaften Dinge.
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