Rossburger Report

Der Triumph der Vervielfältigung

11.06.1997, 21:10, Text: Autor unbekannt

Doch Markus Lipka, der Vater des ROSSBURGER REPORT, hat eine musikalische Mission zu erfüllen. Es symbolisiert seine künstlerische Ambition, wenn er sagt: \"Ich mag inbrünstige Musikanten! Mir gefällt die Musik, in der ich Herz und Seele erkenne.\" Den Werdegang des Gitarristen prägt das kompromißlose Wirken auf seine kreative Vision. Schon als Kopf der Metall-Avantgardisten EISENVATER hat er Hörgewohnheiten ausgeweitet. Als das Projekt vorübergehend auf Eis gelegt wurde, flammte seine Leidenschaft für die Idee mit den zwölf Gitarren wieder auf. 1993 hatte sich der REPORT nach einigen aufsehenerregenden Gigs und einem halbwegs mißlungenen Livemitschnitt für \"4AD\" wieder in seine Einzelteile verflüchtigt.

Weder die Aufnahmemöglichkeiten noch die technischen Fertigkeiten einiger Musiker hatten einer adäquaten Umsetzung von Lipkas Vorstellungen genügt. Um die Periode der ersten ROSSBURGER-Generation dennoch zu dokumentieren, spielte der Musiker die Kompositionen aus den Jahren 1992/93 in Eigenarbeit ein. Resultat: die CD \"2\". \"Mit der Aufnahme war ich mit dem Kram durch. Mir fiel auf, daß ich damals zu wenig mit unterschiedlichen Gitarrentunings gearbeitet habe. Plötzlich taten sich völlig neue Entwicklungsfelder hinter der Musik auf. Meine neuen Kompositionen sind wesentlich vielfältiger.\"
Die Ästhetik des ROSSBURGER REPORT hat etwas Bedrohliches. Die monumentalen Gitarrensinfonien mit den zumeist unhandlichen Songlängen sind in ein spartanisch-kaltes Soundfundament gebettet. Das Coverartwork schimmert matt und düster. Die Kompositionen tragen Titel wie \"Der Greuel\", \"Surf Zur Hölle\" oder \"Spartacus 2000\". Ist Markus Lipka unterwegs, um den modernen Soundtrack zum \"Triumph des Willens\" zu schreiben? \"Meine Freundin beschwerte sich, daß ich immer nach dem größtmöglich intensiven Erlebnis strebe. Tatsächlich habe ich eine Vorliebe dafür, immer ein intensives Erlebnis mit meiner Musik herzustellen. Sowohl für mich als auch für den Hörer. Ich mag zwar die Musik von WAGNER nicht, aber alles, was mit ihm zusammenhängt. Diese dreistündigen Aufführungen, diese opulenten Kostüme. Darin läßt sich eintauchen.\" Der Punk (\"Meine Musik ist proletarisch.\") arbeitet nach einem Aufschichtungsprinzip. Über die Summe der Gitarrenklänge entwickeln sich neue Klangebenen. Töne tänzeln wie eine Fata Morgana auf dem Wall of Sound. Lipka sucht die Wurzeln dieser Vision in seiner Initiation: \"Meine Mutter war Akademikerin, mein Vater Malocher, und beide haben Musik gemacht. Aus der Mischung bestehe ich nun mal.\"



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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