The Delphines

der weg nach oben

09.06.1997, 14:51, Text: Autor unbekannt

Die Bekenntnisse einer reifen Frau, die schon vieles gesehen hat von der Welt ... Immerhin war Gina zusammen mit der DELPHINES-Gitarristin Kathy Valentine schon mal ganz oben. Mit den GOGO’S haben sie nicht nur Platinalben eingeheimst, sondern auch an jenen Orten gespielt, an denen für Gina der Traum vom Rock’n’Roll begann. ”Das eine Erlebnis, das mich dazu gebracht hat, Drums zu spielen ... Gott, es ist so typisch, ich hasse es, das zu erzählen. Aber mein großer Bruder hat mich zu einem Konzert mitgeschleppt, als ich elf war: LED ZEPPELIN, die für THE WHO eröffnet haben. Das heißt, ich habe an einem Abend Jon Bonham und Keith Moon gesehen. 1969.

Und als Keith alles kaputtgeschlagen hat, war für mich klar: kein Herumgetanze mehr vor dem Fernseher - ich will Schlagzeug spielen!”
Seitdem ist einiges passiert. Zuletzt, vor acht Monaten, wurde Gina von Kathy und Dominique (Davalos, voc & b) angesprochen, ob sie nicht in deren Band spielen wolle. Zu dieser Zeit war das Debüt-Album schon eingespielt. Gina war begeistert von den dreckig-poppigen Songs und der Richtung, in die sich die Band bewegte. Kathy: ”Uns haben schon viele Journalisten darauf angesprochen, daß wir klingen wie eine Garagen-Pop-Band aus den 60er Jahren. Damit kann ich leben. THE KINKS, THE ANIMALS, THE SEEDS und THE WHO sind doch nicht die schlechtesten Referenzen, oder?”
Natürlich können und wollen die drei auch ihre Punkwurzeln nicht verbergen. Dominiques Erweckungserlebnis war zwar ein oder zwei Generationen später, aber nicht minder heftig: ”Poison Ivy von den CRAMPS! Zusammen mit LUX INTERIOR auf einer Bühne. Und beide vollkommen am Ausflippen. Wow! Der andere Einfluß war Motown Musik. Meine Schwester hat in der Plattenbranche gearbeitet und mich immer mit zu Konzerten geschleppt.” Gina kombiniert: ”Das heißt, du hast MICHAEL JACKSON gesehen, als er noch ein Mann war?” Ja ja, those were the times.
Die drei erwecken tatsächlich den Eindruck, als wären sie glücklich mit dem, was sie gerade tun. Da kann auch ein Gig wie ihre Berlin-Premiere vor - optimistisch geschätzt - 20 Zuschauern kein Wässerchen trüben. Die Band spielt für sich und hat ihren Spaß. Gina kaspert hinter ihrem Drumkit herum, und Dominique legt ein zynisches Lächeln auf: ”Das ist mein erster Besuch in Deutschland. Und ich werde ihn nie vergessen.” Für die Zukunft haben die drei große Pläne. Fernab aller Heavy Rotations gibt es im Musikbusiness immer noch Idealismus, wie Kathy mit ihrem Traum beweist: ”Ich möchte irgendwann in einen Fahrstuhl einsteigen und unsere Musik hören. Damit kommen wir nämlich ganz nach oben. 48. Stock. Höher geht’s nicht.” Und Gina kennt den Weg dorthin. ”Wir müssen uns nur von David Hasselhoff remixen lassen. Und dann bringen wir ihn um. Aber vorher gehen wir noch auf Tour mit ihm.” Spricht’s, schnappt sich das Diktiergerät und setzt oben zitierte Bitte in die Welt, die wir auf diesem Wege weiterleiten möchten.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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