Ben Harper

the spirit of a living soul man

07.06.1997, 17:05, Text: Autor unbekannt

„Ich bin kein religiöser Mensch. Ich weiß nicht einmal, ob ich ein spiritueller Mensch bin. Ich glaube an die Seele, die mich bewegt und leitet. Es ist langsam an der Zeit, daß unsere Generation den Unterschied zwischen der Heuchelei der Religion und der Segregation durch sie sowie der Liebe für den Geist definiert. Laß das in der Jugend definiert sein, vor Gott zu treten - im wahren Geiste Gottes. Mit den Gegensätzen in meinen Texten - gut und böse, Himmel und Hölle - habe ich jeden Tag zu tun. Dinge sehen, fühlen, Leuten zuhören. Das ist mehr als bloße Technik.“ Hörte sich so was bei den meisten pathetisch an, ihm nimmt man es ohne Weiteres ab.

BEN HARPER ist ein ernsthafter Mensch, der sich genau überlegt, was er sagt.
Vor dem philosophischen Gehalt steht bei ihm jedoch der musikalische: Er ist Gitarrist aus Leidenschaft. Beinahe liebevoll zählt er die verschiedenen Gitarrentypen auf, die in seinen Songs Hauptrollen spielen. Allen voran seine geliebte „Weißenborn“ aus den 20ern, eine akustische Gitarre, mit der er - dank moderner Studiotechnik und verschiedener Effekte - die erstaunlichsten Sounds kreiert. Auf seiner neuen Platte „Will To Live“ hat er erstmals eine Nylon 12-String-Gitarre, ein türkisches Instrument und eine elektrische Gitarre benutzt. „Diese Platte ist für mich aus produktionstechnischer Sicht ein Schritt nach vorne. Insbesondere was die Gitarrensounds und die Stärke der allgemeinen Fähigkeiten aller Beteiligten betrifft.“ Damit meint er natürlich seine Band, Gastmusiker wie den Gitarristen von BOB MARLEY und irgendwie auch sich selbst. Zwar ist Ben nicht arrogant, seine Fähigkeiten und seine Position weiß er aber sehr genau einzuschätzen. Und sein Ziel als Musiker? „Es gibt nicht das Ziel, ein Ziel. Es sind viele. Ich möchte konzentriert, hingebungsvoll und hart an meiner Musik arbeiten, meine Inspirationen, die ich fühle, durch meine Songs zum Leben erwecken. Ich möchte mich verbessern - meine Fähigkeit zu singen, zu spielen, zu schreiben. Ich habe noch einen langen Weg zu gehen. Ich möchte dorthin, wo ich denke, daß ich es verdiene zu sein.“
Und wie könnte das aussehen? „Nun, ich bin immer noch nicht gut genug, das herauszubringen, was in meinem Kopf passiert. Daran muß ich arbeiten.“ BEN HARPER, ein Mann, der sich Herausforderungen sucht, sich in Frage stellt. Da ist z. B. der aus der Sicht einer Frau geschriebene Song „Widow Of A Living Man“: „Eine Emotion, die ich sehr stark fühlte und ausdrücken mußte. Zunächst dachte ich, diesen Song einer Frau geben zu müssen - EMMYLOU HARRIS oder so. Aber dann fand ich: Das ist genauso stark - wenn nicht stärker -, wenn es aus der männlichen Perspektive erzählt wird. Ich sage immer, daß ich mich herausfordern müsse, weil dies der einzige Weg sei, sich zu verbessern. Dies war die ultimative Herausforderung.“
Auch musikalisch geht er immer weiter, perfektionistisch feilt HARPER tagelang z. B. an der Reihenfolge und Länge von Stücken. Worauf manch ein Hörer kaum achten dürfte, ihm ist es wichtig: „Du mußt diesen Aufwand betreiben. Wenn diese Details nicht stimmen, kannst du das ganze Album vergessen.“
Philosoph, Musiker, Künstler - Soulman. BEN HARPER ist wie seine Musik: zu komplex, um es wirklich treffend in Worte kleiden zu können.



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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