Bim Sherman

die dritte dimension

04.06.1997, 21:38, Text: Autor unbekannt

BIM SHERMANs Karriere begann 1975 in Jamaika zur Zeit des internationalen Reggae-Booms, als man es dort mit den Autorenrechten nicht so genau nahm, denn insgeheim hoffte jeder Singer/Songwriter auf etwas Erfolg durch Auftragsarbeiten oder Fremdversionen. SHERMAN zeigte schon damals großes Selbstvertrauen, denn er hütete seine Mastertapes, aufgenommen bei King Tubby, mit Argusaugen. Ende der Siebziger lud ihn Fan ADRIAN SHERWOOD zu Sessions nach England ein. Übersiedlung nach England, eine Einspielung auf „On-U-Sound“, Gründung seines Labels “Century”, schnelles Fußfassen in der Londoner Reggae-Szene. Unverkennbar ist seine feste Melancholie, die sich permanent an den Riddims zu reiben scheint: überlegen verletzt, offen geheimnisvoll oder zärtlich kritisch.

SHERMANs Ambivalenzen stecken nicht in Gestus oder Image, sondern in seinen Stimmbändern.
Erste akustische Versuche entstanden spontan während einer seiner Arbeiten mit SKIP McDONALD, einem langjährigen Freund, in einer Pause vor dem Studio. SHERMANs Indien-Kick schließlich führte dann zur geistigen Geburt von “Miracle”: Im Zusammentreffen unterschiedlicher Tonalitäten und akustischer Reize wurde Reggae destilliert, Dub blieb als Tuning außen vor, und der Gesang traf ins Ziel. Nicht zum ersten Mal übte er sich an solcherlei dialektischen Kunstgriffen, doch in diesem Fall gelang’s perfekt. Vor Ort, in Bombay, kümmerte sich SHERMAN um die Streicherarrangements zu den elf ausgewählten Stücken, deren Entstehungszeit wie ein Fächer zwischen seinen jamaikanischen Anfängen und der Einspielung liegt.
“Miracle”, letztjährig erschienen, gilt schon heute als legendär. Mit “It Must Be A Dream” liegt nun sein Remix-Album vor. \"Wir hatten von Anfang an die Idee, ‘Miracle’ in etwas anderes umzuwandeln\", erklärt Bim. „Es ist ein sehr sanftes Laidback-Album zum Relaxen; nun wollten wir etwas Tanzbares für die Zuhörer machen, damit sie wählen können, je nachdem, ob sie tanzen oder auschillen wollen.“ Und nicht nur das. Der Homogenität von \"Miracle\" stehen völlig unterschiedliche Mixstile gegenüber: von der behutsamen Modifizierung zur radikalen Umarbeitung bis auf die Gesangsspur, von vertrauten Arrangements aus dem „On-U“-Umfeld bis zu der respektlos, aber mit voller Zustimmung des Meisters wummenden \"solid as a rock\"-Version von STEVE OSBOURNE oder der Drum’n’Bass-Annäherung durch das UNDERWORLD (hier: UNDERWOLVES)-Team eben ein sehr offenes Konzept. \"Wir nahmen die Songs auf Band auf, präsentierten sie verschiedenen Tontechnikern und warteten ab, was dabei herauskommt, wenn sie die Fundamente der Stücke umbauen. Sie zeigten sich alle unterschiedlich in Geschmack und Groove. Der einzige Mix, den ich übrigens vor seiner Fertigstellung hörte, war der von LITTLE AXE [SKIP McDONALD].\"
War das Warten auf die Umarbeitungen nicht eine völlig neue Erfahrung? \"It is the reality of music: going around and coming back around.\" Die Transformation des die introvertierte und spirituelle Seite SHERMANs betonenden Albums \"Miracle\" in sein tanzgelauntes Gegenteil ist aufgegangen, und beide Scheiben ergänzen sich prächtig. Die beiden gemeinsamen deutlichen und sichtlich auf Veränderung setzenden Zeichen haben BIM SHERMAN in eine neue Dimension geführt, die noch einiges - nicht zuletzt in der Live-Präsentation - erwarten läßt. Ein neues Album soll noch vor Jahreswechsel erscheinen.



Artikel kommentieren
aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
Anzeige
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]