Girls Under Glass

vollgas

04.06.1997, 19:40, Text: Autor unbekannt

Und nicht nur das. Nach über zehn Jahren Existenz drängte es das Trio zu einem generellen Neustart: 1. Schritt: Labelwechsel. »Für uns die letztendliche Konsequenz. Wir wollten ein Label, das uns endlich jene Sachen ermöglicht, für die wir uns jahrelang den Mund fusselig geredet hatten. Die Veröffentlichung und Vermarktung im Ausland z. B. Bei ›Nuclear Blast‹ passiert das jetzt automatisch, und dieser internationale Release ist für uns ein ganz großer Schritt nach vorn!«
2. Schritt: stilistische Neuorientierung. »Eigentlich hatten wir ja schon 1995 mit der ›Exitus‹-Compilation einen Schlußstrich unter unsere Wave-Vergangenheit gezogen. Alles Nachfolgende sollte wesentlich zukunftsorientierter sein.

Bei ›Crystals & Stones‹, auf der wir erstmals bewußt supermoderne Elemente aufnahmen, spielten diese GIRLS-typischen Melodien und Melancholien noch immer eine wichtige Rolle, wovon wir uns jetzt bei ›Firewalker‹ weitgehend losgelöst haben.« Losgelöst zugunsten einer recht überraschenden Aggressivität und Härte, die zunächst noch wie das Aufhüpfen auf den erfolgsträchtig dahinbrausenden Industrial-Metal-Zug wirkt, sich bei genauerem Hinhören jedoch als konsequente Weiterentwicklung des GIRLSschen Musikverständnisses entpuppt. Insofern läßt sich Volker durch das journalistische Spielchen rund um das Wort »Trendanbiederung« auch nicht allzusehr verärgern. »Ich würde eher sagen, daß uns die Entwicklung der Szene eingeholt hat. Früher hat sich niemand über unsere Metal-Elemente beschwert, weil nicht abzusehen war, daß so was mal absolut trendy sein und etwa eine Band wie RAMMSTEIN derart mega abziehen würde.«
Ein Erfolg, in dessen Sogwirkung nun auch endlich die GIRLS den längst verdienten Durchbruch zum Overground schaffen sollten. Ob der überragenden, musikalischen Qualitäten von »Firewalker« sicher kein Problem, nur am adäquaten Image könnte es vielleicht ein bißchen hapern. »Stimmt, wir sind eigentlich eine Band, die schon immer ein ziemlich schwammiges, wenn überhaupt ein Image hatte. Was die Sache natürlich verdammt schwierig macht.« Ändern werden sie an diesem Umstand nichts, schließlich haben sich GIRLS UNDER GLASS noch nie von einer bestimmten Szene gefangennehmen lassen, was sie zu einem der interessantesten Acts des sogenannten Underground werden ließ. Warum sollte solches nicht auch in einer größer angelegten Umgebung möglich sein? Spätestens die im Herbst stattfindende Europa-Tour wird mehr verraten ...



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aus Intro #46 (Juli / August 1997)
 
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