Anywhen

tradition & moderne

17.04.1997, 20:41, Text: Autor unbekannt

Wer sich des Eindrucks nicht erwehren kann, ein Großteil der Popmusiker gehe heutzutage immer noch in zwanghafter Uniformität zwischen Carnaby Street und Abbey Road seinen Fish'n'Chips nach, liegt ja bedauerlicherweise nach wie vor nicht ganz falsch. ANYWHEN dagegen greifen lieber zum zeitlos dunklen Anzug und geben sich unprätentiös naturverbunden: \"Ich habe mich viel mit Okkultismus und Esoterik beschäftigt\", sagt Thomas Feiner, Sänger und Trompeter der Band, \"aber sicher nicht wie diese New-Age-Leute, die alles über Emotion erklären wollen und dabei vergessen, was zu tun ist! Interessanter jedenfalls als alles, was man in der Schule lernt!\" Was fast zum Motto ihres aktuellen Albums „Anywhen“ taugt, das äußerst gegenwärtiges Sampler-Spiel mit deutlichen Einflüssen des Pop der frühen und mittleren Achtziger flott über den Kamm schert: \"Wir lieben diese Musik! Unser Bassist beispielsweise hat sich das Spielen anhand der Platten von ECHO & THE BUNNYMEN oder den frühen SIMPLE MINDS beigebracht.

Das hört man natürlich!\" Die in nur zwanzig Tagen aufgenommene und abgemischte Platte (\"Begrenztes finanzielles Budget; wir gingen gut vorbereitet ins Studio!\") wurde produziert von Michael Blair, selbst begehrter und vielbeschäftigter amerikanischer Session-Musiker (u. a. TOM WAITS, LOU REED), der ANYWHENs vergriffenes (\"Außer vielleicht in Frankreich!\") Debütalbum mochte: \"Wir riefen ihn an, und es war gut, mit ihm zu arbeiten. Wir haben Autorität wirklich nötig, sonst kämen wir nie zum Ende!\" ANYWHEN stehen auf dem Brett, bereit zum beherzten Sprung in auch kühleres Naß, sobald genügend davon im Becken ist, auch wenn \"... wir im Radio momentan meist noch in einer dieser Sendungen sind, die hauptsächlich von Musikern gehört werden und nicht von der Masse.\" Aber Feiner, hauptberuflich Grafiker, grämt sich nicht. Er scheint recht zufrieden mit seinem Leben und gibt sich, fern von neurotischem Erfolgszwang, genügsam: \"Mir würde es schon reichen, wenn ich von unserer Musik leben könnte. Nicht, daß ich leide - es gibt sicher Leute, die mich zu Recht um mein Leben beneiden würden! Aber ich habe immer gefühlt, daß Musik das ist, was ich wirklich machen will.\"



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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