Orbital

heiligsprechung

16.04.1997, 22:43, Text: Autor unbekannt

Paul Hartnoll ist es recht: \"Ich mache Musik, auf die ich stehe. Wenn die Leute sie gut finden, ist es Overground. Tun sie es nicht, ist es Underground. Mir ist beides recht, lassen wir also das Volk entscheiden.\" Angebiedert hat sich das Duo für den \"Saint\"-Job nicht. Es gab weder längerfristig geplante Gedankenspiele hinter den Kulissen noch Marketing-Gemauschel über Möglichkeiten, seine Musik einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vielmehr war es Film-Hauptdarsteller Val Kilmer, der auf ORBITAL aufmerksam wurde. Er kannte ihre kürzlich reüssierte Single \"Satan\", empfand diesen Titel als aufreizenden Kontrapunkt zum angelaufenen \"Saint\"-Projekt, griff zum Hörer und wählte die Nummer der Hartnolls.

\"Er erzählte uns, daß eine interessante Neubearbeitung des Titelthemas fehle. Der Versuch, es mit einem Orchester aufzunehmen, scheiterte, weil das Ergebnis zu altmodisch geklungen hätte. Auf seine Frage, ob wir uns vorstellen könnten, etwas Modernes daraus zu machen, gingen wir sofort ins Studio und probierten es aus. Was soll ich sagen: Es funktionierte.\"
Die Zufriedenheit über den musikalisch gelungenen Abstecher wird durch einen Wermutstropfen getrübt. \"MTV in den USA hat es abgelehnt, unser Video zu 'The Saint' auf die Playlist zu setzen, da es ihnen zu künstlerisch ausgerichtet ist. Sie wollen zwei Typen an elektronischen Geräten herumzappeln sehen. Wie in langweiligem Fernsehen eben. Das macht unsere Plattenfirma wahnsinnig. Die meint, es sei unser kommerziellster Track, und der müsse mit voller Kraft unterstützt werden. Wir überlegen, ob wir ihrem Drängen nachgeben und eine neue Version drehen. Das wäre der erste Kompromiß unserer Karriere. Aber er muß trotzdem nach unserem Geschmack sein.\"
Wie es auch immer ausgehen mag: Der Mann muß sich nicht grämen. Ende Mai hat Paul beim alljährlichen britischen Dance-Festival \"Tribal Gathering\" Gelegenheit, auf derselben Veranstaltung wie seine absoluten Helden KRAFTWERK zu spielen. Da wird er sich vor lauter Glückseligkeit bestimmt fühlen wie im Film. Im echten.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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