KONG

alles ist crossover

16.04.1997, 15:48, Text: Autor unbekannt

Wer es wagt, im Kontext härterer Indie-Gitarren das konventionelle Band-Publikum-Gefüge aufzuheben und alles oder nichts zu verlangen, hat erst mal Respekt verdient: Dirk de Vries (Git. & Samples), Band-Spokesman Mark Drillich am Bass, Drummer Rob Snijders und Gitarristin Marieke Verdonk begeben sich bei ihren Live-Shows nicht auf eine, sondern auf vier im Raum verteilte Bühnen und sind mit ihrer psychedelischen Lightshow in \"Rockclubs wie auf Danceparties zu Hause. Wir kommen zwar aus der Indie-Szene\", sagt Mark Drillich, \"finden es aber nur natürlich, wenn der Sound von allen Seiten kommt, wir wollten das Prinzip ‘hier oben die Band, da unten das Publikum’ aufheben.

Wir stehen im Publikum, und die Leute sind von Sound umgeben, er kommt von allen Seiten. Sie sollen sich entweder unsere Show anhören oder eben die Halle verlassen.\" Keine Chance also, sich bei KONG-Konzerten hinter das Mischpult an die Bar zu verziehen.
Ihre Spezialität: ellenlange Instrumentals, die wie Clubtracks funktionieren, an- und abschwellende stilvolle Gitarrenwände mit Metal-Breaks an der Wasserscheide von FUGAZI und HAWKWIND. Deren epischer Spacerock taugt als Vergleich noch am ehesten für die von Samples und Grooves aus Dub, Techno, Ambient und Drum’n’Bass angetriebenen KONG-Tracks. \"Wir verstehen nicht, warum eine Band nur HipHop oder Heavy Metal macht, wir wollen keine Limitierungen. Uns interessiert die Atmosphäre eines Songs und weniger die normale Struktur eines Rock-Songs.\" Das hat den durchaus witzigen Effekt, daß ständig NICHT einsetzende Vocals um die Ecke schielen und man sich fragt: Wo bleiben sie denn, die zornigen jungen Männerstimmen, die ihrem ‘Agressionsabbau’ frönen?
Aus Improvisation entwickelte Soundscapes sind die Stärke von KONG: \"Das machen die frühen PINK FLOYD oder THE ORB und ORBITAL auch, aber wir hören ebenso Metal, Klassik oder SOUNDGARDEN\", meint Mark Drillich. \"Wenn man Vocals hat, gibt es immer feste Songstrukturen und eine Story zur Musik mitgeliefert, wir haben aber keine Lust auf konkrete Geschichten.\" So treffen schottische Bagpipes völlig organisch auf Stimmfetzen von Klassik-Chören, Streicher und GRACE JONES-Nightclubbing-Drumsamples. Indie-Elektronik-Crossover - das letzte kreative Röcheln der Rockmusik oder das nächste große Ding? \"Ich glaube nicht\", lacht Mark, \"es ist jetzt alles möglich. Es gibt keinen neuen Crossover mehr, sondern alles ist Crossover, das ist das Neue. Es gibt keine Grenzen und Stile, und wir freuen uns, ein Teil dieser Entwicklung zu sein.\"



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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