Naked Lunch

rapid eye movement

15.04.1997, 17:18, Text: Autor unbekannt

Zumindest Entertainer sind sie bereits heute. Galant vermeidet man jegliches Dissen von Musikerkollegen und erzählt Anekdoten von Sternchen des Popbusiness. Man spielte in England im Vorprogramm des ehemaligen Teeniestars Luke Goss, und obwohl man vor dem Auftritt noch nicht einmal das eigene Bier mit in den Backstagebereich nehmen durfte, fragte Goss nach dem Konzert, ob er nicht mit NAKED LUNCH auf Tour gehen dürfe. In San Francisco nahm man mit Jonathan Burnside auf und machte beim Einspielen der Songs weniger Fehler als Burnside selbst. Des Weiteren nahm man mit Gary Floyd auf, und das Trio ist heute noch gleichermaßen begeistert und bestürzt.

Begeistert über die gewaltige Stimme Floyds, bestürzt über sein Scheitern, gemessen am kommerziellen Erfolg.
Diesen kommerziellen Erfolg strebt das Trio nicht kalkuliert an, vielmehr sperrt man sich nicht künstlich gegen eine natürliche Entwicklung: \"Die harten Tage sind vorbei. Man kann das auch chronologisch betrachten. Die älteren Stücke auf 'Superstardom' sind im Kontext der Platte auch die härteren. Mit den Jahren haben wir alles stark reduziert. Das Schlagzeug ist nur noch halb so groß, die Metall-Gitarre wurde ausgetauscht gegen eine große, bauchige Gitarre.\" Natürlich wäre es übertrieben, diese Entwicklung als im Popkontext anachronistisch zu beschreiben, doch bevor man Andeutungen in dieser Richtung hinnimmt, setzt man das eigene kreative Schaffen in einen größeren Zusammenhang: \"Wir halten nichts davon, 7-Minuten Songs einzuspielen, wobei drei Minuten für ein angeblich unkontrolliertes Gitarrensolo draufgehen. Musikalische Einzelleistungen sind bei uns nicht gefragt, vielmehr steht alles unter dem Diktat der Melodie. Oder man ist halt gleich so bescheuert wie PUSSY GALORE und verzichtet ganz auf Songstrukturen.\" Das tut man nicht, denn man singt halt auch über die Liebe - und das geht besser mit Melodien und einer Stimme, die wie ein Zuckerguß sorgsam alles umhüllt.
NAKED LUNCH verehren klassische Arbeitervereine wie Rapid und Schalke, covern die Obsessionen der Operettenpopper ARMY OF LOVERS und sind beseelt von einem Familiengedanken innerhalb ihres „Community“-Labels. Bisher haben sie keine Fehler gemacht, und wären sie Engländer, versprächen sie für die Zukunft großmäulig einen höheren Status als R.E.M.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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