The Karelia

pro-europa-polka

15.04.1997, 10:44, Text: Autor unbekannt

Auf dem Programm des Londoner Monarch-Club stehen drei unbekannte Bands, und die versammelte Indie-Klientel aus dem umliegenden Camden macht sich bereit, neue Post-Britpop-Sensationen abzufeiern. Doch es kommt anders. Auf die Bühne treten THE KARELIA. Schon der Name sorgt für Verwirrung - welches englische Wort außer \"kangaroo\" fängt schon mit k an? Und dann die Musik! Eins der vier Mitglieder spielt Trompete. Die Musik ist vom Charleston der 20er Jahre, diversen Jazz-Gattungen, französischer Chanson-Nonchalance, osteuropäischer Polka, Punk-Drive und Pop gleichermaßen beeinflußt. Dazu sind THE KARELIA mit feschen Anzügen nett anzusehen. Es dauert eine Weile, bis die zuerst skeptischen Betrachter verstehen, was sich vor ihnen abspielt.

Am Ende aber hat sich die Band aus Glasgow Sympathiepunkte aufgrund unbestrittener Originalität erspielt. Ein Erfolg, der Sänger und Gitarrist Alex Huntley nicht überrascht. \"Für die durchschnittliche Indie-Band beginnt die musikalische Zeitrechnung mit dem Jahr 1966. Dabei ist es viel spannender, mit Tönen aus der gesamten Historie herauszufordern. Da tut sich für manchen Hörer eine neue Welt auf.\"
Die Lösung für die Krise der Pop-Postmoderne lautet also: Hinausschauen über den Tellerrand der Pop- und Rockzeitrechnung. Auf diese Idee kamen THE KARELIA nicht über Nacht. Bis Anfang 1996 hießen sie THE BLISTERS und spielten ein \"härteres Gemisch aus Punk und Rockabilly\". Dann stieg der Drummer aus und wurde durch den Griechen Tassos Bombos ersetzt. Stil und Name änderten sich (Karelia ist u. a. eine griechische Zigarettenmarke). Huntley: \"Es ist doch langweilig, wenn man wie EXPLOITED oder 999 ewig sein rüpeliges Dreiakkord-Punk-Schema durchzieht. Darauf hatten wir schon nach kürzester Zeit keine Lust mehr. Tassos brachte ein paar Scheiben aus seiner Heimat mit, und wir waren am ersten Abend weiter als nach einem Jahr BLISTERS. Keine Frage, wir sind Pro-Europäer!\"



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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