The Olivia Tremor Control

09.04.1997, 22:48, Text: Autor unbekannt

\"Der Name ist Dada. Für sich genommen hat jedes Wort eine Bedeutung, aber über den Gesamtzusammenhang werden wir uns wohl erst in einigen Jahren klar\", erläutert Eric Harris und stellt damit gleichzeitig die künstlerische Ambition der Band heraus. Obwohl sich auf ihrem Konzeptalbum \"Music From The Unrealized Film Script: Dusk At Cubist Castle\" poppige Chartharmonien mit atmosphärischen Instrumentals treffen, kommt ihre Musik ohne festgelegte Regeln aus. Bill Doss: \"Ein Song darf kein spezielles Rezept haben. Alles muß erlaubt sein. Das Ausfaden nach einer kurzen Hookline oder das minutenlange Improvisieren auf einer simplen Akkordfolge.\" Auch für die Besetzung gibt es keine Zuordnung.

Dem kreativen Prozeß entsprechend entscheidet die Band spontan, welches Line-up für den jeweiligen Song benötigt wird. \"Es spielt derjenige Schlagzeug, der im jeweiligen Moment die beste Drum-Idee zu einem Song hat.\" Dieser Ansatz gibt auch dem Proben einen gänzlich anderen Charakter als bei herkömmlichen Rockbands. Bill Doss: \"Wir üben nicht, wir lernen uns musikalisch verstehen. Der Gig lebt von Improvisation. Die Kreativität gilt es zu verbessern, nicht unsere technischen Fähigkeiten.\"
Ihr Doppelalbum ist die Zusammenführung von Sounds und Songs. Als roter Faden galt THE OLIVIA TREMOR CONTROL die Vorstellung, Musik für einen Film zu machen. \"Unsere Liveshows in Athens sind eine Mischung aus Performance und Happening. Auf der Bühne tummeln sich Gastmusiker, es laufen Filme, Dias werden gezeigt, John zeigt seine ‘Dream Machine’. Das Album sollte deshalb auch einen bestimmten Leitfaden haben, der davon abweicht, lediglich Popsong X an Popsong Y an Popsong Z zu reihen.\" Das Grundprinzip war die Arbeit im Vier- und Achtspurverfahren. Parallelen zu den Produktionen der späten Sechziger lassen sich feststellen, als die BEACH BOYS und die BEATLES die unausgereifte Mehrspurtechnik zu höchster Perfektion entwickelten. Der Sound ist sehr dicht. \"Unser Prinzip ist, Musik unmittelbar zu machen. Das soll aber nicht bedeuten, daß wir schlecht und billig klingen wollen.\"
Was sehr theoretisch klingt, wächst sich live zum knallharten Flirt mit den kategorischen Extremen aus. Im Spiel Low-Fi vs. Hi-Fi, Pop gegen Lärm, Kacke against Kunst gewinnt meist der Richtige. Kontrollierte Offensive für Poprock!



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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