Son Volt

beide hände am steuer

07.04.1997, 13:15, Text: Autor unbekannt

Als Dennis Hopper 1969 mit \"Easy Rider\" die Straße auch zum Hippieglücksbringer erklärte, war Kerouac bereits an seinem Lebensgefühl verzweifelt. CAROLE KING fragte in \"So Far Away\" desillusioniert, ob die Highwayromantik nicht überholt sei. Die Faszination der Ferne blieb dennoch zeitlos. Bis heute träumen Generationen den Traum vom Unterwegssein. Motels, Tankstellen und Steuerräder gehören auch zum Handwerkszeug von Jay Farrar. Der Kopf von SON VOLT folgt in seiner Schreibe der Prämisse: \"Both feet on the floor, two hands on the wheel\". Denn auch er ist auf der Suche. Früher als kongenialer Partner von Jeff Tweedy (WILCO) bei UNCLE TUPELO, heute als autokratischer Boss einer eigenen vierköpfigen Band.
\"Nach den vielen Konzerttouren spürte ich, daß dieses Unterwegssein eine Bedeutung für mich bekommen hatte.\" Wie Keruoac, der abbildete, nie begründete, was den Reiz seines Fernwehs bestimmte, hat auch Farrar keine Erklärung: \"Keruoac hat alles ausgedrückt, was den Spirit ausmacht.

‘01,55’ von TOM WAITS hat dieses Lebensgefühl in die Musik übersetzt.\" Die Songs sprechen von \"higher reasons\" (\"Last Minute Shakedown\"), die Farrar beweglich halten. Gründe ohne Perspektive. Der Mann aus Chicago kennt keine Antwort auf seine Sehnsucht. Nicht nur seine Texte befrachtet er mit althergebrachten Bildern der moving culture. Das Cover des SON VOLT-Debüts \"Trace\" ziert das Armaturenbrett eines Cadillacs. Wie gern würde Jay Farrar WOODY GUTHRIE sein. Ein furchtloser Outlaw mit seiner Gitarre. Doch wie einst für BOB DYLAN ist die Straße nur Ventil seiner inneren Zerrissenheit. DYLAN fand über sie zur eigenen Persönlichkeit. Farrar hingegen versackt im Road-Kult: \"It sounds like 1963, but for now it sounds like heaven.\" Das neue Album entstand im Pendelverkehr. \"Wir nahmen in zwei kleinen Studios in Minnesota und Indiana auf. Wenn man sich zu lange an einem Ort aufhält, kommt Unruhe auf, die ich im Studio nicht ertrage. Immer, wenn es nervte, sind wir wieder abgehauen.\" Flucht als Aufnahmeprinzip? Den unsteten Geist hört man \"Straightaways\" nicht an. Die akustischen Songs brillieren mit melancholischer Eleganz. \"Wir nahmen meistens nachts auf.\" Beim Rock schlägt ein unaufgeregtes Herz im gebrochenen Viervierteltakt. Gebrochen wie Jay Farrar! Seine düstere Traurigkeit nährt den Geist des SON VOLT-Sounds.



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aus Intro #44 (Mai 1997)
 
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