Shihad
touched by the hand of rock
17.03.1997, 22:04, Text: Autor unbekannt
Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist \"Shihad\", die dritte Platte nach \"Churn\" (1994) und \"Killjoy\" (1995), auf jeden Fall. Den Weg vom Debüt, das unter der mächtigen Fuchtel Jaz Colemans enstanden war, zum Nachfolger \"Killjoy\" konnte wohl jeder Hörer mitgehen, erfüllte die zweite Platte doch die hohe Erwartung, ob die Band im Alleingang bestehen würde. Im dritten Anlauf strapazieren SHIHAD einfache Strukturen, wenden sich poppigen Sounds zu und wirken überraschend simpel, was vielen nach Härte geifernden Hörern mißfallen dürfte. Karl: \"Ja, die Strukturen sind einfacher geworden, wir lassen den Stücken mehr Zeit, sich zu entwickeln.
In der Übergangsphase von \"Killjoy\", der darauffolgenden Tour (teils mit FAITH NO MORE) und den Aufnahmen zu \"Shihad\" verlor die Band durch den Tod ihres Managers Gerald Dwyer unschätzbaren Support. Phil: \"Natürlich standen wir erst vor dem Nichts, weil Gerald wirklich vieles in der Hand gehabt hatte, den Deal in Europa klargemacht hatte und so weiter. Ein Split stand für uns aber nie zur Diskussion. Geralds Tod schweißte uns vielmehr ultimativ zusammen und machte uns klar, daß es nur vorwärts gehen konnte.\"
Im Verlauf der '95/96er Amerika-Tour schafften sich die Musiker die Grundlage für neue Songs. Karl: \"Der amerikanische Booker war nicht so toll, also hatten wir in Kalifornien auf einmal drei Wochen frei, in denen wir uns aus Langeweile einen Proberaum in der Wüste mieteten. Jon und Phil kifften sich zu, und wir nahmen allen Krach auf, den wir fabrizierten. Natürlich viel Ausschuß [ich wollt's gerade sagen!], beim Hören waren aber ein paar Songansätze dabei, so daß wir für die Platte aus mehr als 20 Songs auswählen konnten.\" Und so schwebt der Geist des \"La La Land\" über der gesamten Platte, die uns das Bild einer hart arbeitenden Rockband auf leichten Füßen vermittelt.
Wohltuenderweise haben sie aber weder von der Arroganz eines Mike Patton genascht, noch lassen sie sich von der langwierigen Affentour in der zweiten Reihe verbittern. Es sind die kleinen Freuden, die sie vorwärts treiben. So freut sich Phil derzeit am meisten über seine neue originale Malcolm-\"Gleichstrom\"-Young-Gretsch. Karl liebt es, sich Bananen in den Catering-Reis zu schneiden, während Tom Spaß daran hat, geliehenen Tour-Schlagzeugen Existenzängste einzujagen. Jon Toogood haut sich immer noch jeden Abend an den Saiten die Finger blutig, aber die Energie, die er dabei umsetzt, ist wenigstens positiv. Außerdem \"sind Jons Texte inzwischen auf einem Niveau, daß man sie hören muß, deshalb tritt der Gesang auf dieser Platte auch so deutlich hervor\", so Phil. Muß ich mir merken.
Wer glaubt, SHIHAD hätten mit dieser Platte ins Mett gegriffen oder nachgelassen, der höre z. B. den \"Boat Song\", um zu verstehen, wohin diese Band jetzt gerne möchte - und gehe mit.
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