Michael Wells / Signs OV Chaos
Universale Denkstrukturen
14.11.1996, 19:01, Text: Autor unbekannt
Nicht anders als in Deutschland ist mit 25 Internetanschlüssen, Videoinstallationen, gratis Kung-Fu-Spielautomaten und futuristischem Soundspektakel die Masse nicht zu holen. Kunstveranstaltung contra Party, Nachdenken contra Nichtdenken. MICHAEL WELLS blieb nichts anderes übrig, „als sich vom Set her in den Rahmen einzufügen“, sprich: abstrakt-industrielle Zukunftsgewitter abzulassen. Das passende Ambiente für ein Gespräch über Anpassung, Einfügung, Vielschichtigkeit und Toleranz.
Intoleranz: 1995 chartete sich die Happy Hardcore-Hymne „I Wanna Be A Hippie“ um den Globus, die fundamentalistischen Geister schrien den Ausverkauf herbei und wollten lieber G.T.O.-Produktionen, Musik mit der technoiden Underground-Credibility.
Ist die Post-Party-Ära mit Labelmates à la JOHNNY VIOLENT, MORBID ANGEL oder gar NAPALM DEATH vereinbar? „Das ‘Earache’-Label meinte, eine Art Industrial-Gabber-Platte von mir passe ganz gut in ihr Konzept. Ich habe statt dessen ‘Frankenscience’ produziert, und sie haben es auch genommen.“ Das erklärt den physischen Aufenthaltsort von SIGNS OV. CHAOS, inhaltlich-musikalisch wird das Werk noch nicht verständlicher. „An introspective album of post-industrial phunk and freestyle minimal-grooves“, so Michaels grobe Umschreibung für Klangräume, deren Experimentierlust sich nicht nur in der Wahl der elektronischen Mittel widerspiegelt, sondern auch die komplexen Inhalte aufzeigt, die dieses Album zum Erklärungsversuch des „State of Frankenscience“ machen. Gesetzt den Fall, daß jeder Mensch, der über sein Handeln nachdenkt, automatisch als politisch zu bewerten ist, so wird SIGNS OV. CHAOS die philosophische Komponente im Überbau zugeschrieben werden müssen. Das Nachdenken über die globalen Zusammenhänge aus Aktion, Reaktion, Handlung und Folge ist die Zielsetzung. Sich durch diese Verstrickungen zu kämpfen, den langen Weg in Richtung Sinn und Wahrheit zu beschreiten, bedarf mehr Mut, als das Wochenende zur Alltagsflucht zu nutzen. Selbstreflexion produziert Angst, auf „Frankenscience“ hörbar.
Es waren ja nur 30 Leute gekommen, an diesem Abend im Cyberspace.
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