Catpower

schatten & licht

29.10.1996, 20:24, Text: Autor unbekannt

Wie das Bild eines Malers, der beginnt, Linien und Farben auf die Leinwand zu bringen und dann sieht, was dabei herauskommt? \"Genau. Kann ich mich am nächsten Morgen noch daran erinnern, behalt' ich's, wenn nicht ...“ - macht die Handbewegung für \"Halsabschneiden\". CATPOWER, das ist definitiv Chan Marshall, weniger eine Band also als eine lose Kombination (Selbstschutz?), die in der Besetzung Chan, Gitarrist Tim Foljahn und SONIC YOUTH-Drummer Steve Shelley ein Album eingespielt hat, das ohne Umschweife als bewegend bezeichnet werden muß. \"What Would The Community Think\" (s. INTRO 10/96) ist eine in urbane, dunkel getönte Atmosphären getauchte Sammlung von Songs, gleichermaßen zerbrechlich wie zerbrochen, gegen die sich die bitteren Pillen aus Labelkollegin LIZ PHAIRs Repertoire fast wohlgemut ausnehmen.

Eine mehr als schmerzvolle Erfahrung in einer Liebesangelegenheit (\"... I should have known better - he was a liar!\"), die unerwünscht wiederaufgefrischte Erkenntnis, daß Menschen (\"... sad but true ...\") einander nicht wirklich kennen können, verpaßte Chancen und Bedauern in einer bildhaften, unwirklichen Sprache, die die Geschichten fühlbar macht, ohne sie jemals zu verraten: \"War eine seltsame, schmerzvolle Zeit damals, viel persönliche Unbill, ich war ziemlich am Ende und bin drei Monate lang herumgereist, ohne auch nur an die Platte zu denken. Als dann Titel für Album und Songs hermußten - worüber ich mir noch keinerlei Gedanken gemacht hatte -, mußte ich mir die Sachen schließlich anhören, zum ersten Mal nach den Aufnahmen! Es war wie ... (erzeugt ein Geräusch der Kategorie \"Kotzen\" - A. d. V.). All die negativen Energien von damals, versammelt auf der Platte, fielen über mich her, und ich bin ausgeflippt. Nach ein paar Wochen hab' ich's einfach noch mal versucht, nur so zum Spaß, und siehe da, ich begann sie zu mögen. Also mag ich sie jetzt!\"
Der Tour im November (mit GUV'NER) sieht Chan mit gemischten Gefühlen entgegen (\"It's hard to be on stage!\"); ich nicht. Schlußwort von Frau Marshall: \"Work is a bad word!\"



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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