Shonen Knife

Wochenschau

26.10.1996, 10:30, Text: Autor unbekannt

\"Seitdem 'Brand New Knife' in Japan erschienen ist, haben wir viele Promotiontermine gemacht, und das Album hat sich sehr gut verkauft. Wir sind jetzt schon irgendwie berühmt, allerdings denke ich darüber nicht weiter nach. In alltäglichen Situationen führe ich mir sicher nicht vor Augen, daß ich bekannt bin. Es beeinflußt mein Handeln nicht.\" So wird man also in Japan berühmt. Auf den ersten Blick haben die eingangs aufgezählten Hobbies so gar nichts mit den Popstars SHONEN KNIFE zu tun, doch Moment ... Ebenso wie Sumo-Wrestling im Ergebnis nichts anderes ist als das in Europa immer populärer werdende schnöde Catchen, haben SHONEN KNIFE sich der traditionellen Popmusik verschrieben und verzeichnen einen kleinen Exotenbonus auf ihrer Seite.

Der Spieltrieb, den die drei Japanerinnen beim Twister- oder Computerspielen ausleben, wirkt sich auf die aus ihrer extremen Naivität ihren Reiz gewinnenden Texte aus: \"It's a muggy silly sunny day/ Let's get up early in the morning like a bird/ Take a ride to the happy crazy fun fun park/ The amusement park we'll have lots of fun.\"
Die Eintönigkeit des Anblicks zweier sich eine Filzkugel zuschlagender Personen wirkt sich auf \"Brand New Knife\" als extrem reduzierter Akkordwechsel und übertrieben oft dargestellte Refrainlastigkeit aus. Große Melodien hört man sich bei den KINKS (oder den BEATLES, Naokos absoluter Lieblingsband mit dem weißen Lieblingsalbum) an und überzieht Akkord, Text und Melodie mit einem fast zahnziehenden Zuckerguß - Liebesperlensongs. Aus der Vorliebe zu Barbie und Star Trek resultieren die eigentümliche Uniformiertheit der Band oder der die Band symbolisierenden Figürchen des Booklets sowie der Hang zu einer kindlichen, aber trotzdem geschmackssicher gestylten Niedlichkeit. Diese Aspekte erheben SHONEN KNIFE-Songs zu einer Art Gesamtkonzept. \"Simple, but strange ...\", so lautet Naokos Definition ihrer Musik.
Mir jedoch geht es mit SHONEN KNIFEs neuem Album wie mit der japanischen Zeichentrickfilmversion von \"Heidi\". Als Kind akzeptierte ich die fehlerfreie Überlieferung der Geschichte, jedoch empfand ich es als leblose Darstellung, daß der Geißenpeter bei der Brotzeit mittels zweier Zeichnungen dargestellt wurde. Bild 1 zeigte Peter mit Brot und offenem Mund, Bild 2 ohne Brot, kauend. SHONEN KNIFE kennen die Popmusik, ihre Version ist wohltuend simpel, niedlich ... aber irgendwie leblos.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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