Red Snapper

drei chinesen mit dem kontrabass

23.10.1996, 22:43, Text: Autor unbekannt

SNAPPER-Gitarrist David Ayers sieht sich jedenfalls nicht in der Rolle des Verwalters einer reinen Lehre, auch wenn ihn ein eher untypischer Expertenstatus dazu berechtigen würde. Denn in den Staaten erhielt der Mann aus Richmond/Virginia eine handfeste Kompositions- und Musikerausbildung am College - Fächer: Flöte und Gitarre. Ende der Achtziger zog es ihn dann nach London, wo er genau wie seine beiden Kollegen jahrelang zu einem kleinen Kreis von Session- und Studiomusikern der Londoner Jazz-Szene gehörte. \"Ich empfinde unseren musikalischen Hintergrund nicht als Notwendigkeit, aber als enorme Bereicherung. Wir alle sind unterschiedlichsten Musiken - Punk, Rockabilly, Jazz oder Klassik - ausgesetzt gewesen.

Darauf kann man immer wieder zurückgreifen, wenn man es braucht. Wir haben uns bei einer dieser Jams im Süden Londons getroffen, und als Richard (Thair) ein Breakbeat-Album aufnehmen sollte, lud er mich und Ali (Friend) mit seinem Kontrabass ein.\"
Doch so sehr das Trio eindeutige Zuweisungen und Kategorisierungen ihres eigenen Sounds ablehnt, so stilbewußt greifen sie auf genretypische Motive aus Surf, Dub oder Sixties-Soundtracks zurück, was wiederum dazu führen kann, daß es sich in manchen Tracks so aufgeräumt anhört wie in einer Doktorarbeit über Musikgeschichte. Der Jazz ist dann - anders als beim Style-Sampling der Acid-Variante - der Punkt, an dem all dies locker zusammengeführt wird. Im Kampf gegen einen unreflektierten Eklektizismus geht es aber auch um Fragen, wie man solche Materialsammlungen wiederverwerten darf: \"Alles, was wir benutzen, hat eine große Bedeutung für uns. Wir ziehen da nicht irgendwas aus dem Hut. Was mir an vielen Acid-Jazz-Sachen mißfällt, ist der sorglose Einsatz von Samples, ohne dabei etwas Neues zu kreieren. Wir benutzen keine fremden Samples, obwohl ich damit nicht grundsätzlich sagen will, daß so was nicht okay ist. Für uns ist es aber eine größere Herausforderung, mit unseren Instrumenten eine Atmosphäre aufzubauen, die den Songs so etwas wie eine eigene Persönlichkeit gibt.\"
Darum kann man \"Prince Blimey\" in einzelnen Tracks auch als Gesamtsoundtrack betrachten, der sich, angefangen bei dem düster-schweren Opener \"Crusoe Takes A Trip\" bis hin zum freischwebenden Abschlußstück \"Lo Beam\", in immer fernere Regionen bewegt. Überraschend ist dabei nur immer wieder, wie gut sich die stark unterschiedlichen Tracks im DJ-Mix verarbeiten lassen. Denn was die Organisation dieser einzelnen Retro-Bausteine angeht, haben RED SCHNAPPER ihre Lektion in Sachen Bildung von hypnotischen Schleifen gelernt: \"Eine Sache, die uns am Dancefloor fasziniert hat, ist dieses Gefühl für Wiederholung. Live versuchen wir sogar zu imitieren, was ein Sampler oder Sequenzer macht.\"
Trotz der kühlen Distanziertheit der meisten Tracks sind RED SCHNAPPER aber noch lange kein Techno. Und um das neue Album am besten zu genießen, hat David auch gleich eine eigene Idee parat: \"Am besten, man legt sich völlig stoned in einen dieser dunklen Salzwassertanks, die sie zur Behandlung von Tauchern im Tiefenrausch benutzen. Das wäre echt stark.\"



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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