Das Weeth Experience

Triumph der Empfindsamkeit

19.10.1996, 16:51, Text: Autor unbekannt

\"Gute Musik kriegt man nicht geschenkt. Man muß schon was durchgemacht haben, um echte Gefühle zeigen zu können!\" Christof Jessen weiß, wovon er spricht. Dem Sänger/Gitarristen und seinen beiden Musikerkollegen von DAS WEETH EXPERIENCE ist in letzter Zeit so ziemlich jede private Katastrophe passiert. \"Diese emotionale Belastung zehrt an einem. Ohne Musik könnte ich heute nicht leben.\" Tief läßt er blicken für ein profanes Musikmagazin-Interview. Doch kein Wort könnte die Abgründe seiner Seele nur annähernd so repräsentieren wie die elf Songs auf dem zweiten Werk der Band aus Hamburg, \"Planeeth Weeth\". Hier ist nicht die Rede von \"Herz/Schmerz\", sondern vom reinen, intensiven Gefühl der Traurigkeit.

Ihr wichtigstes Stilmittel dafür ist der ungezügelte Drang zur Improvisation. In ihr entfalten sich die unendlichen Krater der Musik. \"Ein guter Freund lag im Sterben, und wir improvisierten live ein Stück. Ich fing an, einige Strophen zu singen, und hatte das Gefühl, als kämen plötzlich die Worte von irgendwo in meinem Kopf.\" Die Geschichte zu dem Song \"Help Me Father\", in dem es heißt: \"As you dissapeared/ slowly/ I realized, what helplessness means/ cancer is your answer/ makes us all stand alone/ help me father.\" Der CHRIS ISAAK-typische sehnsüchtige Trübsinn erhält durch DAS WEETH seine Vollendung. Verstaubte Melancholie à la GIANT SAND schütteln sie aus dem Ärmel. Welche Band, insbesondere in Deutschland, hat den Mut, gleichzeitig so leise, elegisch und doch spontan zu intonieren? \"Es ist der Sprung ins kalte Wasser. Wenn man sich ganz unvermittelt an einen Song macht, geht fast nie was schief.\" Eine Fähigkeit, an der sie in mehr als 100 Gigs in den vergangenen zwei Jahren gefeilt haben. Hauptgrund ihrer fundamentalen Weiterentwicklung jedoch war der seelische Zustand der Musiker. Hinter den Songs sind drei Persönlichkeiten gereift. Reife im Sinne von Weisheit wie auch von Bitterkeit. Bewußtsein von Schicksal heißt ihre Inspiration. \"Planeeth Weeth\": der Triumph der Empfindsamkeit.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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