NOMEANSNO
rollover nomeansno
15.10.1996, 11:36, Text: Autor unbekannt
\"Der Titel hat einen gewissen Rütmus, wie alles, was Heidegger geschrieben hat. (schnippt und swingt) theworldhoodoftheworld assuch theworldhoodoftheworld assuch. Verstehst du?\" Ja, nur zu gerne. \"Ich habe ihn zwar gelesen und meine, dass Heidegger einer der größten Denker dieses Jahrhunderts war, natürlich abgesehen von seiner eher fraglichen politischen Einstellung (Hang zum Konservativismus, Infragestellung wissenschaftlicher Progression - Anm. d. Verf.). Aber vielleicht sollten wir solche Fragen nicht an eine Pop-Platte stellen.\" Sprach’s und schickte die Kollegen, die einen Kommentar zum \"Dank an Martin Heidegger\" im Booklet erbeten hatten, ins Konzert.
Rob Wright, inzwischen vollständig ergraut und mächtig in seinen Vierzigern, löste sich vom Solitaire am Labtop und stand wie gehabt offen und fruchtbar Rede und Antwort zur Situation der kanadischen Punkrock-Ikone (das schreibe ich nur, um alle Jazz-Core-Fans auf die Palme zu bringen).
Was bleibt, ist die eigene Identität, die eigene kleine Auffassung, sind die eigenen Fragen, die eigenen Antworten. Alben mit hohem Anspruch, mit komplexen epischen Ideen stellten immer hohe Anforderungen an die NOMEANSNO-Gemeinde, die von \"Mr. Happy\" recht verstört, gleichzeitig von \"Wrong\" hellauf begeistert war. \"Eigentlich waren wir nach ‘Mr. Happy’ in der gleichen Situation wie nach ‘Small Parts, Isolated And Destroyed’. Wir hatten ein ambitiöses Album mit schwierigen Songs gemacht und wollten den Spass zurückholen. Das ist uns damals mit ‘Wrong’ sehr gut gelungen. ‘Why Do They Call Me Mr. Happy’ nahm sich selbst sehr ernst, auch das wollten wir mit ‘Worldhood’ etwas zurücknehmen. Du sagst, die Platte klänge wie ein Resümee. Ein wenig stimmt das, aber nicht nur, weil ‘Predators’ aus Johns und meiner Duo-Zeit drauf ist, oder ‘Lost’, das Andy (Kerr, früherer Gitarrist, nach \"0+2=1\" ausgestiegen - A. d. V.) noch mitgeschrieben hatte. Ich glaube, dass unsere Musik eher wie ein Feuer ist, das wir immer neu füttern müssen. Es verändert sich nicht großartig, es brennt einfach weiter. Ich glaube nicht an wirkliche Veränderung von Musik, du kannst nicht einfach Sachen hinter dir lassen und ganz neue machen, alles kommt wieder und ist zwar etwas anders, aber nicht wirklich neu. Der einzige Weg, wie du deine Position in der Musik klarmachen kannst, ist dein eigener. Wenn dein Sound, deine Strukturen etwas Besonderes sind, etwas Eigenes, nichts Geklontes, werden die Leute das auch merken und es mögen.\" Er wußte es eben schon immer, only sheep need a leader. Das Sinnbild des Mr. Wrong erhebt nicht mehr konzeptionell bindend sein schafsköpfiges Haupt, dennoch kann Rob nicht aus seiner Haut: Bedingungsloser Individualismus ist Pflicht, Berufung und Aufgabe, irgendwie doch eine Filosofie. Neinheißtnein ist der Beweis für erfolgreiches organisches Wachstum, ist Energie in Tüten, verkündet Ironie und Wahrheit, legt auf der Bühne noch jeden flach, und wer's nicht glaubt, soll kacken gehen, um zu prüfen, ob er noch irgend etwas fühlt.
\"Deine Aussagen enthalten alles, was du weißt und was du nicht weißt, es gibt keine Formel. Manchmal mußt du zugeben, dass du eben nicht alles weißt und nicht alles vorherbestimmt ist. Das Leben ist eben keine Uhr. Aber erzähl das nicht den Schweizern ...\"
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