Cucumber Men

zuckender gurkensalat

14.10.1996, 22:47, Text: Autor unbekannt

\"Für uns ist ein Alptraum wahr geworden\", kommentiert Chef-Gurke Justin ironisch die gerade bestätigte Supporttour seiner Combo mit den CRANBERRIES. Rasant nach oben hat sich die Erfolgskurve für die CUCUMBER MEN aus Uetersen bei Hamburg in den vergangenen zwei Jahren gekrümmt. Angefangen 1990 als harmloser Abklatsch der RED HOT CHILI PEPPERS hatten die noch Minderjährigen nur einen Wunsch, nämlich so zu sein wie Anthony Kiedis und seine Mannen. Justin: \"Als die dann richtig groß rauskamen, wurde es eng für uns. Jeder merkte, daß wir nur ein Imitat waren!\" Dabei hatten ihre Gigs den Konzerten ihrer Idole eines voraus: Die Gurken spielten aus dem Bauch heraus.

So frech wie das Trio die zahllosen Clubkonzerte in und um die Hansestadt meisterte, konnten nur wenige Zuhörer ihrem Charme wiederstehen. Diese irgendwie postpubertäre Unverfrorenheit, die die drei exzellenten Instrumentalisten da versprühten, war schon von besonderer Güte. Dann die Ochsentour mit den unsäglichen Rockwettbewerben. \"Ein lächelnder Funktionär überreicht dir einen 5000 Mark-Scheck\", erinnert sich Justin an den Gewinn eines Talentawards. Mit der wachsenden Erfahrung entwickelten die Crossover-Epigonen einen eigenen Stil. Der muskelbepackte Kreuzüber wurde ausgedünnt und zur nervös zuckenden Rockvariante umgemodelt. \"Um es einzigartig zu machen, fingen wir dann mit deutschen Texten an.\" Der entscheidende Impuls. Postwendend klopften Majorlabels an. Denn temporeichen Rock'n’Roll mit dem arschtretenden funky Feeling gab es in der teutonischen Szene noch nicht. Und Leute mit dem augenzwinkernden Humor der CUCUMBER MEN ebenso selten. \"Früher Waren Wir Besser\" heißt ihr Album. \"Für alle, denen unser neuer Kram nicht mehr gefällt.\" Die Gurkenmänner wissen eben, wie Ironie beim Zuhörer greift, ohne zynisch zu wirken. Als Anheizer der CRANBERRIES werden sie den schrägen Part des Abends übernehmen, aber der Gedanke an Venues wie die Berliner Deutschlandhalle macht Freude. \"Wenn ich dran denke, krieg' ich Durchfall\", sagt Justin. Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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