Pankow

ein physiologisches bedürfnis

13.10.1996, 15:33, Text: Autor unbekannt

Ob er diese Entscheidung angesichts des aktuellen, schlicht »Pankow« betitelten Longplayers bedauert, weiß nur er allein. Auf die Band selbst und auch auf ihre Fans dürfte jedenfalls eher das Gegenteil zutreffen. Mit LIMBO-Frontmann G. Luca B. fanden die Italiener mehr als nur einen adäquaten Ersatz: Durch seine energiegeladene Vokalarbeit verschaffte er ihnen nämlich das, was man gemeinhin eine neue Facette nennt. Wie das Album überhaupt ein neues Kapitel in der zwölfjährigen Bandgeschichte aufzuschlagen scheint. Der Verzicht auf Gitarren, die einhergehende Hinwendung zur elektronischen Klangerzeugung und die Unterordnung des Chaos zugunsten einer klareren Songstruktur machen »Pankow« zur vielleicht »freundlichsten« Produktion (ein eher unbeholfenes Attribut) des Quintetts.

»Wir versuchen alle Möglichkeiten zu nutzen«, erklärt Paolo Favati, zuständig für Samples und Overdubs, »unsere Ideen kreativ in die Musik einzubringen. Das zweite neue Bandmitglied En-rgi und dessen Element der Tape-Manipulation ist für uns in erster Linie eine weitere Ausdrucksmöglichkeit. Wir haben ein regelrecht physiologisches Bedürfnis, Musik zu machen. Unsere Ausdrucksformen sind deshalb sehr direkt und emotional und nicht sachlich am Reißbrett durchkonzipiert.«
An der Arbeitsweise der Band hat sich auch durch die neuen Mitstreiter nichts geändert. Noch immer komponiert Maurizio Fasolo die Tracks, welche im Studio gemeinschaftlich bearbeitet werden, bis alle Beteiligten damit zufrieden sind. Daß sich die Zusammenarbeit nicht immer einfach gestaltete, lag vor allem an der Tatsache, daß jeder der Musiker auch in andere Projekte involviert ist. »Es hat uns wirklich furchtbar geärgert, daß wir dadurch so lange brauchten, um wieder gemeinsam Zeit zu haben.« Dieser Ärger ist jedoch längst verraucht, weiß doch das gelungene Ergebnis zu versöhnen. Mit diesem Album verleihen PANKOW dem inzwischen bis zum Brechreiz überstrapazierten Begriff »Industrial« ein verändertes Gesicht, und wenn G. Luca B. zum fulminanten »Brucia Europa Brucia« anstimmt, sieht man tatsächlich gelbrote Flammen aus seriösen Fenstern züngeln.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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