Bad Brains
da war doch mal was ...?
13.10.1996, 12:11, Text: Autor unbekannt
Beziehungsweise waren, denn die BAD BRAINS existieren 1996 nur noch auf dem Papier. Daran kann auch „Black Dots“, das neue Album, nichts ändern, denn darauf finden sich ausschließlich unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Jahre 1979. Bassist Darryl erinnert sich: „Es waren die ersten Aufnahmen, die wir je gemacht haben. Sie fanden im Keller der Wohnung des ‘Produzenten’ statt, der unser damaliges Liveprogramm einfach mitschnitt. Dr. Know (git) und ich hatten uns im größten Raum aufgebaut, Earl (dr) saß fast im Wandschrank, und HR sang später ein, womit auch alle Spuren unseres ‘Studios’ belegt waren - es war ein alter 4-Spur-Rekorder.“ Dementsprechend klingt das Zeug auch, obwohl Mitte dieses Jahres neu gemischt und gemastert, ist die Soundqualität einfach miserabel und „Black Dots“ damit eine zwiespältige Angelegenheit.
Was dann allerdings 1986 mit „I Against I“ über „SST“ in die Läden kommt, ist der absolute Killer und seiner Zeit durch seine Crossoverlastigkeit (hat jetzt nix mit Metal-Rap zu tun ...) weit voraus. Den Skandal liefert „She’s Calling You“, denn der Fakt, daß HR diesen Song durchs Knasttelefon einsingen mußte, da er dort gerade unabkömmlich war, manifestiert seinen Ruf als Kultperson der Punk-/HC-Szene endgültig. Das riecht auch die Major-Industrie, so daß „Quickness“, der ebenfalls fabelhafte Nachfolger, 1989 bei „Caroline“ erscheint und der Band erstmals größte Aufmerksamkeit von allen Seiten einbringt. Im Zuge dieses Aufschwungs veröffentlichen „Relativity“ im gleichen Jahr „Attitude - The Roir Sessions“, das, original auf Tape über „R.O.I.R.“ vertrieben, unter anderem „Sailin’ On“ und fünf Songs von „Black Dots“ in besserer Qualität enthält. Nur ein Jahr später dann, auf dem Höhepunkt der BAD BRAINS-Popularität, erscheint „The Youth Are Getting Restless“, ein Livemitschnitt eines ‘87er Konzertes im Amsterdamer „Paradiso“, welches die unglaubliche Livepower des Quartetts hervorragend einfängt (Gott sei Dank war der Tag der Aufnahme kein Sonntag, so daß auf ausufernde Reggaesessions - der größte Horror aller einem Konzert entgegenfiebernden BAD BRAINS-HC-Fans - weitgehend verzichtet wurde).
1993 dann wechseln die BRAINS zu „Sony Music“ und veröffentlichen hier „Rise“ mit dem Titelsong und bisher größten Clubhit der Band. Auch ansonsten zeigt es die modernisierten, da sich „ständig in Progression“ befindenden Wahl-New Yorker in bester Form und Laune, so daß „God Of Love“ Ende des letzten Jahres erschreckend saftlos daherkommt und durch die uninspirierte Lustlosigkeit das kurz darauf amtliche Ende einer der größten Bands des letzten Jahrzehnts bereits ankündigt. Und da kann Darryl tausendmal behaupten, die BAD BRAINS würden nie auseinandergehen, „nur eben keine Musik mehr machen“ - er selbst hat eine eigene Band (STEALTH suchen gerade ein Label), Dr. Know und Earl haben auch etwas Neues am Start, und mit HR hat er „seit zwei Monaten kein Wort mehr gewechselt“. Tja. Alles hat ein Ende ...
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