Low
schluß mit lustig
13.10.1996, 11:43, Text: Autor unbekannt
Nach eingehender Betrachtung dürften LOW so ungefähr die langsamste Band des Universums sein. Hier liegt gerade in Anbetracht der sich kontinuierlich dem absoluten Stillstand annähernden Symbiose aus unendlich trägem Gitarrenstrumming, konzentriert minimalistischer Rhythmusarbeit und dem wechselnden Gesang von Alan Sparhawk und Gattin Mimi Parker alles noch eine schmerzvolle Ewigkeit unter der vielbeschworenen CODEINE-Marke (was die ohnehin wenig lebensbejahende Stimmung der bisherigen New Yorker SloMo-Titelverteidiger auch nicht gerade steigern dürfte). „Wir spielen nun mal bevorzugt in diesem Tempo“, knurrt Sparhawk mit schläfrig-sonorer Stimme, “weil wir so in der Lage sind, Raum zu schaffen für die Gedanken und Interpretationen des Hörers.
Trotz aller Tristesse, die LOW gemeinhin mit ihrer in dunklen Grautönen gehaltenen Klangmalerei verbreiten, ziehen sie für ihre Musik einen Begriff wie „introspektiv“ vor, obschon die Bandmitglieder selbst nicht immer vor sporadisch auftretenden Mißstimmungen infolge des eigenen Repertoirs gefeit sind. “So etwas kommt durchaus vor, aber Gott sei Dank nicht allzu häufig. Im Grunde führen wir ein ganz normales Leben, d. h., wir liegen nicht den ganzen Tag mit Depressionen im Bett und sind schlecht gelaunt, auch wenn wir manche Dinge vielleicht etwas seriöser, nüchterner sehen ... Hin und wieder kommt es jedoch vor, daß unsere mentale Verfassung durch die ständige Konfrontation, die ständige Auseinandersetzung mit dieser Musik etwas angeschlagen ist, vor allem nach wochenlangem Touren. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem die ganze Sache tatsächlich Besitz von dir ergreift, dein Handeln und vor allem dein Denken bestimmt ...“
Um so erstaunlicher die Tatsache, daß LOW in ihrer Heimat derzeit zu den tourfreudigsten Bands überhaupt zählen, was eine Zahl von 120-130 Auftritten pro Jahr im Vorprogramm solch unterschiedlicher Acts wie IDAHO oder SOUL COUGHING (!) eindrucksvoll belegen dürfte. Und auch die ungebremste Veröffentlichungsflut des Dreiers (immerhin drei Longplayer und zwei EPs in knapp drei Jahren) legt ein erstaunliches Maß an Produktivität nahe, wenngleich Alan in diesem Punkt lieber auf zwei seiner Lieblingsbands, nämlich PALACE BROTHERS und GUIDED BY VOICES, verweist, die unangefochtenen Könige der halbjährlichen Erscheinungsweise. “Ein Haufen alter Männer, der sich nach allen Regeln der Kunst besäuft und ausgelassen über die Bühne hüpft.“ - Eine Tatsache, die Alan an GBV besonders schätzt. Kein Sinn für Humor? Daß ich nicht lache!
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