Marxman
Hammer, Sichel, Marxman
12.10.1996, 12:11, Text: Autor unbekannt
? Inwieweit ist MARXMAN eine politische Band?
! Mit dem ersten Album und unserem Namen haben wir schon ziemlich genau gezeigt, worum es uns geht. „33 Revolutions ...“ sollte zeigen, daß wir uns nicht schämen, den Sozialismus zu unterstützen, als er am Zerbröckeln war. (...) Gleichzeitig wollten wir die Leute dazu aufmuntern, sich damit nicht einfach abzufinden. Wir haben den Kontext von MARXMAN gefestigt. Die Leute wissen jetzt über uns Bescheid, und darum wollten wir mit „Time Capsule“ nicht schon wieder die politische Schiene fahren. Es ist viel sujektiver und persönlicher in seinen Aussagen und sagt mehr über uns als Individuen.
? Wie ist das Coverfoto zu verstehen - das Ei als Zeitkapsel?
! Wir dachten, daß wir uns - sollte es je nötig werden - in so einem Ei verkriechen könnten und, wieder herausgeholt, nach Jahren immer noch genauso frisch klängen.
? Warum hattet ihr auf eurem ersten Album so starke irische Folk-Einflüsse?
! Das war eigentlich nur ein Experiment. Osion ist Ire, Hollis zur Hälfte, und so haben wir etwas einfließen lassen, was seit Jahren um uns herum existierte. Viele Leute haben uns gefragt, was das sein soll - vielleicht etwas Arabisches -, aber es hat funktioniert.
? Ist die englisch-irische Mischung MARXMANs beabsichtigt?
! Nein, eher ein Unfall. Der Gedanke einer politischen Absicht dahinter liegt natürlich ziemlich nahe, uns ging es aber nur darum, gut zusammenzupassen.
? Glaubst du, daß eure Botschaft wirklich rüberkommt?
! Musik drückt vor allem Gefühle aus. Was mir an unserem neuen Album vor allem gefällt, ist, daß wir versucht haben, die Balance zu halten, und nicht, unsere Gefühle, sprich unsere Musik, in einer Botschaft zu ertränken. Wir sehen uns zuallererst als Musiker. Musik sagt mehr als 1000 Worte. Die Songs, die du für den Augenblick fühlen kannst, sind einfach die besten.
? Euer nächstes Album könnte demnach auch rein instrumental sein?
! Ja, das wäre durchaus möglich. Ich spreche sehr gerne durch Musik. Da Rap-Alben meistens einen verbalen Dauerangriff darstellen, habe ich oft ein Problem damit, sie von Anfang bis Ende zu hören. Ich finde es viel angenehmer, harte Strukturen zu durchbrechen und mittels Musik aufzuweichen. Wir öffnen uns für viele Einflüsse und arbeiten an verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten.
? Welche Reaktionen gab es auf euer erstes Album?
! Das war schon ziemlich eigenartig. Wir kamen zu einer Zeit, als es keine politischen Bands geben sollte, doch plötzlich wurden es immer mehr. Für die Presse waren wir das Salz in der Suppe. Auf einmal aber hörten sie auf, von dieser Welle zu berichten. Nicht daß die Gruppen verschwunden waren, aber für diese Zeitungen war das Thema wieder unten durch: „Politik ist langweilig, laßt uns lieber über Transsexuelle und solche Gruppen schreiben; über ... Dekadenz. Das entspricht eher unserer bourgeoisen Ausrichtung, ... darum schreiben wir lieber über Brit-Pop.“
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