Cora E

reif für einslive

12.10.1996, 10:38, Text: Autor unbekannt

? Wie bist du zum HipHop gekommen? Durch Heidelberg - die Leute?

! Nee, in Heidelberg wohne ich erst seit vier Jahren, begonnen hat es in Kiel. Ich bin 1983 über Graffiti zum Breakdance und übers Breakdancen zum Rappen gekommen. Kurz gesagt, ich habe erst Graffiti gesprüht, dadurch Kontakt zu der Szene bekommen ... Irgendwann habe ich gemerkt, daß ich da nicht so gut bin ... Durch Swift (BATTLEQUARD) bin ich dann zum Breakdancen gekommen. Ich bin ein Original-B-Girl, hab’ auch 1984 einen Breakdance-Wettbewerb in Kiel gewonnen. Ich habe dann angefangen zu rappen und dadurch gemerkt, daß es das ist, wo ich richtig gut bin und auch der Meinung der anderen nach richtig gut war.
Ich habe 1985 mit dem allüblichen „Rappers Delight“ angefangen, den Text auswendig gelernt und zur Rückseite, dem Instrumental, gerappt - und das Ganze dann tatsächlich live aufgeführt! Ich war in Italien bei der Breakdance-Weltmeisterschaft 1986 und bin vor einigen Tausend Leuten aufgetreten - ganz spontan ...

Irgendwas hat das in mir bewegt.
Damals war die Szene noch ganz eng verknüpft.
Ich habe dann angefangen, auch selbst Texte zu schreiben. Mit Swift zusammen - deutsche Texte wohlgemerkt, schon vor 10 Jahren. Aber das war nur spaßeshalber Deutsch, weil wir alle kein Englisch konnten.
Dann bin ja auch schon nach Amerika. Und zwar habe ich auf einem Konzert, wo ich auch gerappt habe, T-La ROCK kennengelernt. Ich bin dann rübergefahren und habe in Maryland, Baltimore, - New York weniger - und Philadelphia gelebt. Ich habe da ins Rap-Business reingerochen, war bei den ersten Plattenaufnahmen von KOOL MOE DEE und LL COOL J - „Ring The Bells“, glaube ich - zugegen! Das hat mich geprägt, das waren tierische Erlebnisse.

? Wie kamst du zur „EMI“? War das eine Reaktion auf SCHWESTER S bei der „EMI“?

! Nee. Von deren Seite (?), das kann sein ... Ich weiß nicht, wie die „EMI“ das sieht; ich weiß nur, daß sie in keinster Weise versucht haben, mich zu beeinflussen, mein Produkt zu verändern.

? Du hast also „volle Kontrolle“?

! Die finden gut, was ich mache!

? Die müssen sich ja irgendwas denken. Vielleicht: die CORA ist reif für EINSLIVE ...

! Ich möchte auch in den freakigen WDR-Sender, das ist das Tollste, was mir passieren kann, wenn meine Songs laufen, wenn mehr Leute hören, was ich mache, ohne daß ich mich dafür verändern muß. Ich arbeite in der Psychatrie der Uni-Klinik Heidelberg als Krankenschwester, was ich auch weitermachen will, weil es für mich ganz wichtig ist, den Bezug zur „wahren Welt“ nicht zu verlieren. Das ist ganz wichtig. Für mich. Für meine Texte. Das ist das, wovon ich meine Miete bezahle. Wenn ich natürlich Geld verdienen kann mit meiner Musik - wäre natürlich klasse.

? Was glaubst du, wie es momentan um HipHop steht? Ich denke da an „Sexy Eis“?

! Der Typ hat Spaß - ist am Strand. Das darf doch jeder - wo ist das Problem? Titten im Video sind armselig. Ich denke, HipHop ist stark genug, das zu überstehen. Ich denke, daß es gute Raps gibt, die im Fernsehen laufen und aus Deutschland kommen. Zum Beispiel RÖDELHEIM HARTREIM PROJEKT, die haben Flow, die sind okay. Und SCHWESTER S - ich find’s schade, daß ich sie bisher nicht kennengelernt habe. So stark wie jetzt war die Szene noch nie in Deutschland!

? Auf „Schlüsselkind“ erzählst du persönliche Dinge aus deinem Leben ...?

Die Musik kommt von den STIEBER TWINS. Der Text von mir, für mich! Es ist ein ganz persönlicher Text. Ich erzähl’, wie es bei mir zu Hause war, als ich klein war, und was sich daraus ergeben hat. Das ist ganz wichtig ... Eine ganz normale, blöde, deutsche Geschichte. Ich hab’ den Song in meinem Zimmer für mich alleine geschrieben. Und wie ich höre, hört sich das auch für andere bekannt an ...



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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