Prince Paul
stress free music
08.10.1996, 11:08, Text: Autor unbekannt
In Zeiten, in denen GURU auf dem ganzen Globus nach frischen, international vermarktbaren Talenten Ausschau hält, ein DJ HONDA oder auch ein DJ KRUSH die kreative Ost-West-Kooperation längst in bare Münze umgewandelt haben, stellt sich auch PRINCE PAUL unausweichlich die Frage nach seiner persönlichen Einstellung zum Globalen HipHop-Gedanken: “Natürlich unterstütze ich den Globalen HipHop. Ich habe kürzlich Songs für TWIGGY in Japan produziert. Außerdem stammen einige Künstler auf ‘Psychoanalysis’ aus Kanada. Darüber hinaus habe ich Remixe für eine Gruppe namens ALLIANCE ETNIK gemacht.“ Letztere von Bob Powers (ATCQ) produzierte LP der frischen Franzosen dürfte auch hierzulande noch etlichen in guter Erinnerung sein (u.
Befragt nach den Auswahlkritierien des vielbeschäftigten Produzenten und Remixers bei der Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern (zuletzt CYPRESS HILL, AXIOM FUNK und BIZ MARKIE & CHUBB ROCK) erfolgt eine ebenso klare wie deutliche Antwort: “Spaß haben, etwas Neues lernen und mich gegenüber verschiedenen Einflüssen offenhalten.“ PRINCE PAULs nächstes Projekt wird WAR PARTY heißen, außerdem steht Neues von den GRAVEDIGGAZ ins Haus. Auf deren - finanztechnisch - eher mäßigen (obgleich die Scheibe damals erstmalig den Begriff „Horror-Core“ auf den Plan brachte und dem ebenfalls involvierten WU TANG CLAN quasi als kreative Keimzelle dienen sollte!) Debüt-LP-Erfolg angesprochen, gibt sich der PRINCE erneut bescheiden: “Ich hätte etwas mehr Akzeptanz dafür erwartet, aber ich schätze, man kann unterm Strich mit den Verkäufen und der Publicity zufrieden sein!“
Als ehemaliges Mitglied der HipHop-Band STETSASONIC hat er bereits auf drei LPs Rap-Geschichte geschrieben, besteht momentan gemäß der Freudschen Lehre - ähnlich wie bei WHODINI - der Trieb auf eine Reunion? „Nein! Wer weiß, vielleicht einige Live-Shows. Aber definitiv keine neue Platte.“
Seine vor Jahren unverhofft angetragene Vaterschaftsrolle als PAPA PRINCE PAUL bei der anno ‘96 mächtig wiedererstarkten „Native Tongue“-Familie (u. a. ATCQ, JUNGLE BROTHERS und DE LA SOUL) hingegen erfüllt den hyperproduktiven HipHop-Maniac offensichtlich mit Stolz: “Wie jeder Vater mußt du zuschauen, wie deine Kinder größer werden, das Haus verlassen und selbst erwachsen werden. Alle neuen ‘Native Tongue’-Releases sind in meinen Augen cool. Sie sind erwachsene Versionen der ‘Native Tongues’.“
„Psychoanalysis“ endet in den Liner-Notes mit dem Statement „Back To The Underground“. Was heißt das konkret in PRINCE PAULs Augen? “’Back To The Underground’ heißt für mich ‘Stress Free Music’: sich keine Gedanken machen zu müssen über Märkte, wer es mag oder hassen wird. Einfach nur Spaß dabei haben, Musik für Leute zu machen, die dich akzeptieren für das, was du machst und bist!“ Womit der Mann zugleich auch das sympathischste Synonym für den ohnehin irreführenden Terminus „TripHop“ gefunden hat ...
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