The Wedding Present

Besser als die Aussteuer

03.10.1996, 18:53, Text: Autor unbekannt

Ihre größten Erfolge hatten WEDDING PRESENT mit Alben, die bei ihrem eigenen Label \"Reception Rec.\" erschienen. Aus dem Industrietrauma klug geworden, unterschrieben sie jetzt wieder beim Indie \"Cooking vinyl\". Nachdem die Kolumnen im \"New Musical Express\" jahrelang ausschließlich Hohn und Spott für sie übrig hatten, gehört das Blatt neuerdings wieder zu den großen Förderern des Vierers. Sowohl Appetizer \"Mini\" als auch der neue Longplayer \"Saturnalia\" staubten im NME Höchstnoten ab. Gedge schmunzelt: \"Typisch für die britischen Weeklys, eine Band erst zu pushen, um sie anschließend abzuschießen. Wir waren solange die Ärsche, sie mußten uns endlich wieder loben.\"
Der NME war es auch, der sich 1986 die Promotionstrategie der \"Class of '86\" ausdachte.

Neben WEDDING PRESENT repräsentierten damals Bands wie MCCARTHY, PRIMAL SCREAM oder MY BLOODY VALENTINE das junge, selbstbewußte Musik-England. Für das nötige Airplay sorgte, wie so oft, John Peel. \"Es ähnelte dem, was sie heute ‘Brit-Pop’ nennen. Nur war es sehr viel persönlicher und vielschichtiger, denn die beteiligten Künstler standen jeweils für einen individuellen Stil. Komisch, wieviel sich im Laufe von zehn Jahren im Biz wiederholt.\" Doch während der britische Markt momentan weitgehend in Bands unterteilbar sei, die entweder THE BEATLES oder THE KINKS imitieren, klingen WEDDING PRESENT auch heute seltsam anders. Die Relaxtheit auf \"Saturnalia\" erinnert in ihrer Reduziertheit zeitweise an die Chicagoer Studenten-Clique um TORTOISE/THE SEA & CAKE. Songwriting und nervöser Verve aber sind typisch David Gedge. Die Zusammenarbeit mit den Grunge-Produzenten Steve Fisk (\"Watusi\") und Steve Albini, der ihren Klassiker \"Seamonsters\" inszenierte, hat Spuren hinterlassen. Gemeinsam mit ihnen schaffte es die Band, die einst \"jeden Song mit 500 Stundenkilometern\" (Melody Maker) spielte, ihre noisigen Obsessionen bis zum Exzeß auszuleben. Heute spielt Gedge seine Gitarre aus Überzeugung wieder unverzerrt. Zwar gibt er an, weiterhin wichtigster Songschreiber zu sein, der intuitiv-kreativen Entwicklung der Stücke sei er jedoch nicht als diktatorischer Bandleader im Weg. \"Besetzungsänderungen bringen neue Impulse. Es wäre dumm, wenn ich diese aus Narzißmus verhindern würde.\" Jetzt hat er Kraft für weitere zehn Jahre WEDDING PRESENT. \"Die Leute wollen es hören, und Veränderung zahlt sich aus!\"



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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