Planet B.E.N.

02.10.1996, 21:04, Text: Autor unbekannt

Doch im Gegensatz zu namhaften Kollegen, die sich für Eingebungen in den Süden Europas oder besser gleich nach Indien zurückziehen, reichen PLANET B.E.N. für die Produktion von psychedelischer Musik gute Erfahrungen mit Musik. Im Gegensatz zu ANTARO war er niemals an diesem verheißungsvollen Ort namens Goa, der nun schon die dritte Generation von Partytravellern anzieht und seit 1991 einer Musikrichtung den Namen gibt. Eher durch puren Zufall traf er auf eine dieser ominösen Parties. „In einer Kieskuhle. Ich dachte: ‘Was geht hier denn ab? Die sind ja alle voll irre.’ Die tanzten völlig anders, als ich es gewohnt war.“ Und zudem war alles krass-bunt.

Aus der Faszination ward mit Ben der erste mixende DJ für Psychedelic Trance (wie man heute sagt, um Abnutzungserscheinungen vorzubeugen) geboren. Während die aus den Zeiten der Dat-Tapes übernommene DJ-Sitte, zwei Stücke grundsätzlich nacheinander zu spielen, noch immer vorherrscht und eine Sinneswandlung kaum zu erwarten ist, kommt Ben aus dem Umfeld elektronischer Musik, ist also praktisch von der anderen Seite hinzugestoßen, Turntable-Fetischismus inklusive. Italo-Disco, Chicago-House, Acid-House, Techno, quasi eine Bilderbuchgeschichte für Leute, die das Damals anpreisen. Deshalb ärgert es ihn auch maßlos, daß diese Musik trotz steigender Popularität immer noch ständig gedisst wird oder gar nicht erst Erwähnung findet, obwohl inzwischen selbst Major-Plattenfirmen darauf eingestiegen sind.
Seine große Goa-Zeit ist vorerst beendet. Und so ist das Album „Trippy Future Garden“ eher als Tribut an wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen denn als ein Up-to-date-Bericht zu sehen: „Die Stücke sind teilweise 2-3 Jahre alt, ein paar waren schon für Sampler lizensiert, aber insgesamt ist es ein Ausdruck dessen, was ich auf den Parties gehört habe, was für mich zusammenpaßte.“ So ist der 21minütige Titeltrip beispielsweise im Anschluß an eine Party noch in derselben Nacht entstanden. Doch dieser Reiz ist aus DJ- und Produzentensicht inzwischen verschwunden: „Es stellt kein weiteres Problem dar, solch einen Sound hinzukriegen.“ Genau wie beim Auflegen wird keine Kreativität mehr gefordert. „Ich kann nicht nachvollziehen, daß in allen Plattenkisten dieselben Scheiben stehen, sichere Dinger, die immer funktionieren. Genau davon versuche ich nun wegzukommen, in die progressivere Richtung.“ (Ein Gruß geht an dieser Stelle an „Global Ambition“, Küßchen links, Küßchen rechts!) Probleme gibt es einzig mit dem Publikum, das sich noch nicht so recht auf diesen „fortschrittlich-psychedelischen Sound“ einstellen konnte.



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aus Intro #39 (November 1996)
 
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