Gallon Drunk

Guided By Voices

02.10.1996, 17:07, Text: Autor unbekannt

„Rauh“, „minimalistisch“, „dynamisch“ - das sind die Eigenschaften, welche laut Mr. Johnston früher die Musik von GALLON DRUNK ausmachten. Auf „In The Long Still Night“ fehlt die minimalistische Komponente, und auch das rauhe Moment wird in den Hintergrund gedrängt - jedoch nicht gänzlich ausgeschaltet. Zumindest das Instrumentalstück „Big Payoff“ bietet GALLON DRUNKs Version von rauher Unterhaltungsmusik. \"Auf unserer neuen Platte ist sicherlich weniger an musikalischem Wahnsinn, dafür sind die Songs und die Texte eindeutig besser. Alles entwickelt sich allmählich und wird zusammengehalten.

Zusammengehalten und gelenkt durch meine Stimme. Irgendwie zeigt die Platte eine natürliche Entwicklung auf.\" Das Wort wird vom Interviewpartner vermieden, aber er meint wohl, die neue Platte klänge „erwachsener“. Das Wort wird von mir jetzt vermieden, aber die kritische unabhängige Presse wird dem Album vielleicht folgende Eigenschaft nachsagen: „kommerzieller“. Ein häufig negativ konnotiertes Wort, und keiner sagt, warum.
Bestimmt finden GALLON DRUNK mit Songs wie dem hymnenhaften, pathetischen „In The Long Still Night“ neue Hörer. Doch die Gruppe bietet mehr: mit „To Love Somebody“ eine grandiose BEE GEES-Coverversion, einen pulsierenden Beinahe-Livesound, heisere Bläser, kehlig-hastig vorgetragene Wortfetzen, eine wuselige Orgel, wabernde Gitarren - einen Kampf der Musiker um jeden Millimeter Boden. Die Grenze bildet stets die mal steuernd drohende, mal zusammenhaltend schmeichelnde Stimme, die nicht laut aufschreit, sich dafür unbemerkt, fast heimlich Gehör verschafft. Und über allem schwebt eine Metaphorik des Übersinnlichen: „When the world is on fire/ And you've been betrayed,/ And you shake with fear and rage,/ Are you ready to pay?/ Are you ready to die?/ Then call my name in the long still night.“ Peinlich, oder? „Musik über Gefühle“, sagt James Johnston. Bei der Frage nach Übersinnlichem in den Texten ringt mein Gegenüber um Worte und deren Zusammenhänge untereinander und zu seiner Musik. Er gebraucht Wörter wie Geheimformeln: „Erlösung“, „Andacht“ und „Suche“ raunt er geheimnisvoll in mein Ohr. Irgendwie zusammenhanglos, und ich frage mich, ob J. Johnston gelenkt wird von Stimmen, von übernatürlichen Kräften. Noch mal „In The Long Still Night“ hören!



Artikel kommentieren
aus Intro #39 (November 1996)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 
Anzeige
 
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.