Die Coolen Säue
die saustarke kraft des positiven denkens
28.09.1996, 16:33, Text: Autor unbekannt
1994/95 galt es, als Gruppe wie auch persönlich schwierige Situationen zu durchleben: „Wir hatten eine fertige LP produziert, die nicht erschien, und sahen für unsere Zukunft relativ schwarz.“ Intensive Selbstfindungsprozesse, selbstkritische Rückschau und Motivations-Checks der einzelnen SÄUE ließen im Laufe der Zeit die Texte zu der ‘96 über „BMG“ gedroppten Elpee „Stärker Als Das Schicksal“ entstehen: “Wir haben versucht, aus einer für uns negativen Situation etwas Positives zu machen.“ Dabei verbanden sich textliche Authentizität und thematische Grenzenlosigkeit unbewußt mit einer analytischen Funktion: “Wenn man versucht, Erlebtes in abstrahierter Form niederzuschreiben, findet ein gewisser Verarbeitungsprozeß statt.“ Cuts wie „Bleib Wach“, der Titeltrack sowie die nun im ‘96er Remixformat (mit soul-vollen Vocals von BROOKE) vorliegende zweite Singleauskopplung „Weck Mich“ belegen dies nachhaltig.
Aus verhängnisvoll fehlgelaufenen Majorlaufbahnen einiger deutscher HipHop-Bands - beispielsweise jene der befreundeten REIMBANDITEN - zog man eigene Schlüsse: “Wir haben einige Hintergründe des Geschäfts früher kennengelernt als andere Gruppen. Und wir haben uns schon früh entschlossen, unser eigenes Ding zu machen und durchzuziehen.“ Auch zu den offensichtlichen Mankos zahlreicher schematisierter HipHop-Liveshows machten sich die COOLEN SÄUE ihre Gedanken: Sie inszenieren bühnentechnisch nunmehr druckvoll mit Live-Drums, der Soulperle BROOKE, einem DAT-Band, 3 MCEES plus einem DJ. Ein saumäßig cooles Konzept, das aufgeht, sei es im Vorprogramm der Schweizer Kollegen von SENS UNIK, auf der heimischen POPKOMM. oder als Support der großen US-Rap-Innovatoren THE ROOTS aus dem fernen Ph/Illadelphia.
Wie war das noch mal ... mit der Entwicklung von HipHop in Deutschland aus der Sicht der SÄUE? - “Die Leute erkennen, daß HipHop, so wie er vor drei Jahren in Deutschland stattgefunden hat, keine Zukunft hatte, da er auf Engstirnigkeit und Intoleranz einer kleinen Gruppe von Leuten basierte.“ Saumäßig Erfreuliches? - “Die stetig steigende Qualität von Produktionen und Rapskillz“ sowie „eine gewisse, sich breitmachende Professionalität.“ Echte Innovationen und Produktionen auf internationalem Level aus dem eigenen Lande sehen die zuversichtlichen Kölner beispielsweise von den Bremern F.A.B., den Heidelbergern STIEBER TWINS oder auch dem heimischen Reimunternehmer-Duo DIE FIRMA ausgehen. „In drei Jahren ist HipHop in Deutschland noch weiter - kein Ende der Entwicklung in Sicht. Wir wachsen, und keiner hält uns mehr auf!“ Eindeutig die saustarke Kraft des positiven Denkens.
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