Mark Eitzel

no easy way down

24.04.1996, 10:13, Text: Autor unbekannt

„Die letzten Jahre mit AMC waren oft ziemlich hart, ich stand auf der Bühne und fühlte überhaupt nichts innerlich. Wir waren ziemlich ausgebrannt und ließen uns am Ende sogar als Vorband von PEARL JAM mit leeren Dosen beschmeißen! Ich hatte viele Songs geschrieben, die wir zusammen niemals hingekriegt hätten, also verließ ich im Januar ‘95 die Band, um etwas Neues zu machen.“ Und eigentlich hat sich gar nicht soviel verändert, denn mit Bruce Kaphan und Daniel Pearson haben gleich zwei ehemalige AMC-Mitglieder an EITZELs Platte mitgewirkt: „Wir haben uns ja auch nicht verkracht, es ging vor allem darum, daß ich meine persönlichen Vorlieben - besonders Jazz - stärker einbringen wollte.

Mit Danny z. B. spiele ich schon so lange zusammen, er begreift sehr schnell, um was es mir geht. Ich glaube auch, daß es eine gute Idee war, Mark Isham (Horn und Trompete, A. d. V.) dazuzuholen. Er hat viel dazu beigetragen, daß die Platte so klingt, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt habe. Wir haben ziemlich hart an der Platte gearbeitet.“ Und die Mühe hat sich gelohnt, denn alles klingt wie aus einem Guß. Hinweggeblasen scheint die Unzufriedenheit über die AMC-Zeit. „Ein enormer Kraftakt“ sei es gewesen, „aus dieser ziemlich verfahrenen Situation heraus eine solche Platte zu machen. Die Herangehensweise ist eine ganz andere geworden. Ich habe damals sehr viele Jazzplatten gehört: SHIRLEY HORN, CHET BAKER ..., das merkt man wohl auch.“ Außerdem gibt es da eine CAROLE KING-Coverversion. Neuere Musik ist seine Sache nicht, Bands wie RAGE AGAINST THE MACHINE hält er für kalkulierbare Hobby-Rebellen und überhaupt haßt er das ganze Alternative-Ding, weil es „nichts anderes als stupides Mittelklasse-Kinder-Gehampel“ sei.

Geblieben sind die Songinhalte, denn nach wie vor dreht sich bei EITZEL alles um sehr persönliche Momentaufnahmen, flüchtige Begegnungen in verrauchten Bars. Aber immer sind es nur die kleinen Gefühle und Gesten, die ihn interessieren: „I just want to write about living and dying and being saved“, sagt er in den Linernotes zu „Mission Rock“, einem der stärksten Songs auf „60 Watt“. Er fühle sich am wohlsten in der Rolle des Besuchers am Tresen, der zwischen zwei „Buds“ immer wieder seinen Blick schweifen läßt: „Ich gehe besonders gerne in eine kleine Bar namens ‘Specs’ ganz in meiner Nähe. Das ist quasi mein Wohnzimmer.“ Seine Platte hingegen, passend von Kollege Calvino auf den Punkt gebracht, infiltriert nach häufigerem Hören deinen Lebensraum, so daß sie irgendwann „dazugehört wie die Zigarettenasche im Aschenbecher und Bier im Kühlschrank“.



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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