Shed Seven
fairplay rules
21.04.1996, 22:20, Text: Autor unbekannt
Die schütteln ebenso wie über die BSE-Hysterie auch zum \"Brit-Pop\"-Schwindel verständnislos den Kopf. Mit dem Hype können sie sich nicht identifizieren. \"Wir profitieren bloß davon\", sagt Rick Witter, sonnengegerbter Frontmann im ansonsten blasshäutigen Vierer. Wie vorher schon bei den Kollegen SUEDE, GENE, MENSWEAR undsoweiter im Fahrwasser des Marketing-Geniestreichs BLUR versus OASIS heißt auch im Falle von SHED SEVEN die Promotionkeule: gutgekleidete Gitarrencombo mit Sinn für schöne Melodien und 3-Minuten-Songs.
\"Wir sind stürmischer als die anderen. Außerdem haben wir bereits 1992 gemeinsame Sache gemacht, und den Trend konnten wir nicht voraussagen, oder?\" protestieren SHED SEVEN gegen fiese Journalisten-Schelte, die das Kapital der Band partout im Brit-Pop-Fieber vermutet.
Manchestertum ist nicht erst seit der inhaltlichen Umdeutung im Rahmen der OASIS-Welle wieder existent im Herzen Englands. Die kapitalistische Realität bei Musikern ist bitter. Die Jungs von SHED SVEN plackten sich ab, um in die Charts zu schießen. Das Geld verdient jetzt die Plattenfirma. In Bangkok durften sie sich dafür wie Rockstars fühlen. Zweihundert mandeläugige Teenager wollten ihnen an die Wäsche. Die Polizei mußte ordentlich schuften zum Schutze der reservierten Briten. SHED SEVEN sind nette Menschen. Nicht wie die extravaganten \"Wonderwall\"-Stars unterliegen sie einem Klassenbewußtsein. \"Wir sind aus dem Norden. Aber ich mag auch die Londoner Bands.\" Die Szene macht auf Kameradschaft. Wünscht nicht aus Haß - wie weiland Liam Gallagher - dem Drummer von GENE mal das Creuzfeld-Jakob-Syndrom in die weiche Birne. Der gemeine Yorker ist ganz sportsmen-like. GENE würden eben gern wie die SMITHS klingen, aber für die Herren von SHED SEVEN ist das kein Problem.
Die Zeit nach der Probe verbringen sie zur Ergänzung des Lad-Image bei einer Runde Bowling im Kreise der Fußball-Hools aus der Nachbarschaft. Shake-hands und ein Lager-Pint. Männerfreundschaften, das ist der Stoff, aus dem die Millionenhits sind. Ihr Album \"A Maximum High\" soll ein paar davon haben. Es hält spielend den OASIS-Standard. Trotzdem wird der Markt britischer Beatbands immer undurchschaubarer. Dösender Konservatismus. Doch die beiden Insel-Weeklys pushen mit konstant steigender Willkür modische junge Männer.
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