Hugo Race

into the valley of light?

19.04.1996, 15:42, Text: Autor unbekannt

Neben seinem aktuellen Album „Valley Of Light“ legt RACE gleich ein zweites vor, über Mail-order. Dieses System betrachtet er als ideale Möglichkeit, Sachen herauszubringen, die sonst nie den Weg in die Öffentlichkeit finden würden. Von seiner letzten Mail-Order-Platte, „Station of the Cross“, unterscheidet sich „Wet Dream“ allerdings völlig: „Damals ging es darum, aus wenig viel zu machen. Wir nahmen die Stücke an einem Tag mit sehr beschränkten Möglichkeiten auf - halbakustisch. Das klang alles sehr rauh“ - und wie alte Blues-Aufnahmen aus den 50s und 60s. Mit Hilfe alten Equipments versucht RACE, diese Sounds zu reproduzieren: „Das klingt wärmer, viel intensiver, hält deinen Kopf fest ...“
Eine völlig neue Variation erfuhr die schon auf „Station“ enthaltene Cover-Version des HOWLIN´ WOLF-Stücks „Dirt Road“ für „Valley Of Light“.

Generell kein Freund von Cover-Versionen alter Blues-Klassiker, bearbeitet RACE nur außergewöhnliche Sachen, DANIEL JOHNSTON beispielsweise. Oder CAPTAIN BEEFHEARTs „Clear Spot“. „‘Trout Mask Replica’ war meine erste Platte von Don van Vliet. Vielleicht seine eigenartigste. Ich hatte sie mehrere Jahre, bevor ich sie überhaupt anhören konnte. ‘Clear Spot’ ist da schon kommerzieller. Daß wir den CAPTAIN überhaupt als Inspiration aufführen, ist, weil du ihn oft anhören mußt, um Zugang zu finden. Wenn du das aber tust, ändert es die Art, wie du über Musik denkst und sie hörst. Man muß sich ändern, um es genießen zu können.“
Selbst kein Kind von Traurigkeit, wenn es um rauhe, wüste Arrangements geht, scheint der Blueser mit „Valley Of Light“ zugänglicher geworden zu sein. „Die Band und ich sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo das, was wir tun, fast wie von selbst passiert. Das sollte sich schon in der Musik niederschlagen.“ Was diese zwar nicht zugänglicher, dafür aber interessant macht, sind seine verschrobenen, assoziativen Texte - düstere Bilder von Extremen: Gefühle, Stimmungen, Personen, Gegensätze. Er selbst betrachtet sie eher als Mittel zum Zweck: „Ich bin kein Dichter oder so was.“
Überhaupt nimmt RACE sich selbst nicht so wichtig. Van Vliets Methode, Partituren zu schreiben, hält er für „faschistisch“. Zwar schreibt er seine Tracks allein, das Aufnehmen mit TRUE SPIRIT jedoch ist ein Band-Erlebnis. „Ich käme nie auf die Idee, meinen Musikern zu sagen, was sie zu spielen haben. Jeder kann spielen, was er will. Wir schwimmen alle auf der gleichen Wellenlänge. So machen sie auf natürliche Weise das, was ich auch mag.“



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aus Intro #34 (Mai 1996)
 
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